Das große Experimentieren

Die Frage nach der möglichst unabhängigen Finanzierung von Kulturprodukten ist und bleibt eine drängende: Während Musik- und Filmprojekte immer öfter von großen Markenartiklern unterstützt werden und der Staat seit einer ganzen Weile Geld zur Verfügung stellt, klafft auf der unabhängigen Seite oft ein Loch zwischen Produktionskosteneinsatz und späterem Umsatz bzw. Erlös. Reaktionen auf diese Entwicklung hat der Musikkulturbetrieb schon mehrfach hervorgebracht: Die Einstürzenden Neubauten ließen sich mit ihrem »Supporter’s Project« bereits 2002 im Voraus von ihren Fans bezahlen, und zuletzt gab Max Müller zur Finanzierung seines neuen Albums »Trinken Singen Schießen« 99 mittlerweile restlos vergriffene Kaltnadelradierungen als Schuldverschreibung aus. Rainer Kirbergs neues Filmprojekt »Das schlafende Mädchen« geht nun einen ähnlichen Weg: Der Verkauf von Filmstills und Fotografien vom Set wird in die Fertigstellung des Films einfließen.

    »Das schlafende Mädchen« erzählt die Geschichte des Kunststudenten und Joseph-Beuys-Schülers Hans, der sich – ausgehend von einer geplanten Videoarbeit – in sein ›Hauptmotiv‹ Ruth verguckt. Ruth lebt auf der Straße, Hans ist begeistert von ihrer Rätselhaftigkeit, schaden werden sich die beiden Einzelgänger letztlich beide. Rainer Kirberg lässt den Film im Düsseldorf der siebziger Jahre spielen, einer Zeit also, in welcher das Bewegtbild innerhalb der Kunstproduktion auf starkes Interesse stieß und das große Experimentieren begann. So verwundert es auch nicht, dass »Das schlafende Mädchen« selbst an der unscharfen Grenze zwischen Spielfilm und Kunstprojekt changiert. Der 120-minütige Schwarzweiß-Film mit u.a. Jakob Diehl, Natalie Krane, Christoph Bach und Erwin Leder ist allerdings noch nicht fertig gestellt. Die Vernissage bzw. Ausstellung in der Galerie Ulf Saupe Berlin soll den letzten Schub geben.

    Gezeigt werden dort ab heute ausgewählte Filmstills, hochwertige Fotografien sowie Filmloops aus dem künstlerischen Fundus der Filmfigur Hans. Die Exponate der Ausstellung können und sollen ausdrücklich gekauft werden, alle Erlöse fließen in die Postproduktionsfinanzierung des unabhängig, aus den Eigenmitteln der Produzenten Rainer Kirberg, Caroline Kirberg, Jonas Knudsen, Tøni Schifer und Stephan Geene finanzierten Projekts.

 


Das schlafende Mädchen – Film von Rainer Kirberg:
23.-30.07. Berlin – Uwe Saupe Galerie (Vernissage: 23.07.2010, ab 19 Uhr)

Foto: © Rainer Kirberg / Galerie Ulf Saupe

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