Radiohead In Rainbows

Morrissey-Fans, so ergab eine Umfrage unter mehr als 1000 Menschen auf Morrissey-solo.com, würden dem Briten im Durchschnitt 10 bis 15 Dollar für ein neues Album überweisen, wenn sie den Preis selber bestimmen dürften. Ob Radiohead uns jemals wissen lassen werden, wie viel Geld sie mit den Downloads von ihrer Website www.inrainbows.com  verdient haben, ist ungewiss – die Website Gigwise.com spricht zumindest, spekulativ, von 1,2 Millionen Downloads alleine am Tag der Veröffentlichung. Den Preis, den man zu zahlen bereit ist, darf der Hörer nun also tatsächlich selber bestimmen, ihm bleibt auch freigestellt rund 60 Euro für ein aufwändig verpackte ›Discbox‹, bestehend aus einer CD, zwei Schallplatten, einer weiteren CD mit acht weiteren Stücken, die nicht als Download erhältlich sind und zudem Fotos und Artwork beinhaltet, und einem Booklet zu bezahlen, die Anfang Dezember jedem Käufer nach Hause geliefert wird. Im nächsten Jahr soll zudem eine normale CD für all die Hörer erscheinen, die ihre Musik noch immer lieber im klassischen Tonträgerhandel kaufen.

    Das siebte Studioalbum der Band, an dem sie zwei Jahre gearbeitet hat und das YouTube-Gucker sich theoretisch schon selber anhand von vergangenen Live-Auftritten des Quintett zusammenstellen konnten, ist der Nachfolger zu »Hail To The Thief« aus dem Jahre 2003 und erinnert, auch nach Meinung des Sängers Thom Yorke, mit seiner klaustrophobischen Stimmung an das Meisterwerk »OK Computer« aus dem Jahre 1997. Mit ihrem angestammten Produzenten Nigel Godrich liefern Radiohead auf »In Rainbows« zehn Stücke von überwältigender Klarheit und Brillianz. Die 160kb-MP3s, die ohne Digital Rights Management auskommen, haben ein starke räumliche Präsenz und Tiefe, das Schlagzeug scheint in jedem Song anders abgenommen oder gleich digital programmiert worden zu sein, die sporadisch auftauchenden Streicher klingen eiskalt und warm zugleich und werden in der unsagbar schönen Ballade »Nude« am Ende der gespielten Melodiebögen jeweils durch einen Filter verengt und verschlankt, was ein völlig neues Hörerlebnis bietet.

    Nigel Godrich erwähnte kürzlich in The Wire, dass für die Aufnahmen zu »In Rainbows« spezielle Instrumente angefertigt wurden, elektroakkustische Holz- und Blechblasinstrumente, eine Midi-Serpent, also eine midifizierte Version des im Mittleralter entwickelten, tiefstimmigen Serpents sowie z.B. ein mit einem kabellosen Playstation 3-Controller zu bedienendes Kontrabass-Saxofon – diese Erweiterungen des Instrumenten-Apparates tragen einiges zu dem in jeder Sekunde interessanten und neuen, avancierten Sound der Band bei.

    Yorkes Gesang konterkariert die Reinheit der Musik, nur »Bodysnatchers« geht als klassisches Rockstück der frühen Radiohead durch, in dem er Wörter dehnt, wimmert, jammert und heult. Ohne das Booklet der ›Discbox‹ fällt es schwer zu ergründen wovon Yorke singt, seine Stimme funktionierte aber schon immer auch allein als reine Klangfarbe sehr gut – auf der bandeigenen Website »Dead Air Space« erwähnt Yorke J. G. Ballards Buch »Kingdom Come« als Einfluss und in regelmäßigen Abständen weisen die schon immer politisch interessierten Mitglieder der Band seit langem auf Websites hin, die sich unter anderem mit dem Gebrauch von Atomenergie und ›global warming‹ beschäftigen.

LABEL:

VERTRIEB: www.inrainbows.com

VÖ: 10.10.2007

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