Queens of the Stone Age: Viel Ereignis auf engem Raum

Auf die aktuelle Platte von Björk hat es Josh Homme wieder nicht geschafft. Dabei ist der Mann erklärter Fan der Sängerin, deren System keine Grenzen kennt, und diese gewisse Kunstsinnigkeit, die man bei Homme vermutet, dürfte mit der von Björk allemal kompatibel sein. Josh Homme, so stellt man sich das vor, würde der Mystik Björks die nötige Rockschwere verleihen – und doch wäre es ein Duett unter Gleichen, Josh Homme ist schließlich selbst so etwas wie die Björk des Bikerrocks.

    Wie Björk macht auch er kein Geheimnis darum, dass Pop- und Rockmusik Konstrukte sind, Patchworks, die Summen zusammen gewürfelter Elemente. Keine andere Band schafft es jedenfalls, so wie Queens Of The Stone Age den »It’s only Rock’n’Roll«-Ethos zu verkörpern, echt und wahrhaftig zu wirken, dabei aber gleichzeitig den Verdacht zu schüren, dieser fette Bratzrock sei vor allem verdammt gut ausgedacht.

    Vier Freunde, die durch dick und dünn gehen, dieses Bandmodell, das die Beatles etablierten und das bei The Velvet Underground schon nichts mehr galt, spielt bei Queens Of The Stone Age überhaupt keine Rolle. Wie in einem neoliberal ausgerichteten Wirtschaftsunternehmen wird hier fusioniert, werden strategische Allianzen geschlossen. Von der Urbesetzung ist nur noch Josh Homme selbst übrig geblieben, aus der ursprünglich offenen und dezentralisierten Band, die sich wie eine Hiphop-Crew ein Umfeld aufbaute, das von Mark Lanegan bis Dave Grohl reichte, ist ein Betrieb mit Boss geworden. Nick Oliveri, der Exzentriker neben Homme, der am liebsten nackt auftrat und nun die Band Mondo Generator anführt, wurde bereits 2004 ausgemustert.

    Auf »Era Vulgaris«, dem neuem Album von QOTSA, wird der Projektcharakter der Band zwar immer noch betont – Mark Lanegan, der Mann mit der erschütternden Heroinstimme, hat wieder vorbei schauen dürfen, und auch Julian Casablancas von den Strokes macht mit –, doch die Platte wirkt kompakter, nicht mehr so ausufernd und elegisch wie noch etwa »Songs For The Deaf«. Spröde wirkt die Platte, vielleicht auch: trocken. Oder um auch noch die letzten Kyuss-Fans zu enttäuschen: So weit entfernt von deren Wüstenrock und der Simulation von Weite und Erhabenheit waren QOTSA noch nie. »Era Vulgaris« ist eher eine Stadtplatte: viel Ereignis auf engem Raum.

    Für Homme ist dieser Sound »modern«, er nennt »Era Vulgaris« ein »modernes Album«. Vielleicht müsste er eher sagen: »zeitgemäßes Album«. Der Plattentitel ist nämlich den Thelema-Schriften entlehnt, die sich auf das religiös-magisch-philosophische System beziehen, das vom Vater des Okkultismus, Aleister Crowley, vor Jahrzehnten entwickelt wurde. Diese Schriften benutzen nicht den christlichen Kalender, sondern den gregorianischen, den heidnischen. Und nach diesem leben wir einfach nur, so Homme, »in unserer Zeit«, in der »Era Vulgaris«: »Ich lese Aleister Crowley nicht als praktizierender Okkultist«, erklärt er weiter, und man wird das Gefühl nicht los, dass mit dem Propheten des großen Biests, der sonst nur noch von norwegischen Blackmetallern und ein paar Esoterikern ernst genommen wird, schon wieder eine dieser typischen QOTSA-Referenzen eingeführt wird – ein strategischer Verweis, der eine bestimmte Traditionslinie betonen soll. Als Band im Hier und Jetzt, in der »Era Vulgaris«, beschwört man die »good old days«, das klassische Rockzeitalter. Aleister Crowley war schließlich vor allem in den Sechzigern und Siebzigern ein Held der Gegenkultur und diente als Kronzeuge für die wahren Rock’n’Roll-Werte, die für die QOTSA immer noch eine gewisse Bedeutung haben. Die Beatles packten Crowley gar auf ihr »Sgt. Pepper«-Plattencover und attestierten ihm in den Linernotes den Zuständigkeitsbereich »Sex, Drugs and Magic«. Jimmy Page war sogar so besessen von Crowley, dass er gar dessen ehemaliges Haus kaufte. Die Beatles und Jimmy Page, Popcleverles und Rockdinosaurier, genau in dieser Schnittmenge verorten sich die QOTSA. Wenngleich auch als Konstrukt.

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