Queens Of The Stone Age Live

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Wenn ein Konzert der Queens Of The Stone Age ansteht, hat man ja mittlerweile schon seine Reflexe entwickelt. Oft ist einer der ersten der Griff zum Oropax. Zu oft schon führte ihre fundamentale Lautstärke zu nervtötendem Piepsen im Ohr, das oft noch tagelang anhielt. Umso erstaunlicher war es, dass die Band im Rahmen des zweiten Teils der »Era Vulgaris«-Tour durch Deutschland, eines ihrer raren akustischen Konzerte ankündigte. Die Karten dafür gab es nicht zu kaufen, nur über Gewinnspiele oder persönliche Einladung wurde Zutritt gewährt. Dass diese exklusive Veranstaltung in einem 650 Meter unter der Erde gelegenen Konzertsaal, in einem alten Salzbergwerk in der thüringischen Provinz, stattfinden sollte, übertrumpfte dann zudem das Allermeiste, was Rockbands an medienwirksam inszenierten Promotion-Gigs in den letzten Jahren durchgezogen hatten.

    Am Dienstagvormittag bestiegen also rund 330 Fans und Medienvertreter luxuriöse Reisebusse, die sich aus Köln, München, Hamburg und Berlin auf den Weg in die kleine Ortschaft Sondershausen nahe Erfurt machten. Dort angekommen, statteten sich alle pflichtgemäß mit Helm und Kittel aus und pferchten sich in Gruppen zu Zwanzig in einen alten Seilbahnaufzug, der sie ins Erdinnere brachte. Der Lift wirkte nicht besonders vertrauensvoll und angeblich spielten sich darin mitunter hysterische Szenen ab. Nicht alle Klaustrophobiker schienen die Warnungen im Vorfeld ernst genommen zu haben, immerhin dauerte die Abfahrt bis zu vier Minuten. Unter Tage angekommen entspannte sich die Lage bei Bier und Barbetrieb jedoch sofort.

    So ein Salzstollen scheint ein magischer Ort zu sein. Der Salzgeruch, der in der Luft liegt, die angenehme Wärme der stillstehenden Luft und die fünf Meter hohen und rund zehn Meter breiten Kanäle, die mit brachialer Maschinengewalt im Halbrund in den Salzberg gefräst wurden, muten surreal an. Davon unbeeindruckt bretterte das Fahrpersonal des »Erlebnisbergwerks« mit verstaubten Pick-Ups in halsbrecherischem Tempo durch das kilometerlange Gangsystem und chauffierte die Besucher unter anderem zu einem rostroten Solesee, wo freundliche Fuhrmänner ihr Bergmannsgarn zum Besten gaben und mit den Gästen witzelten.

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Schon lange vor Konzertbeginn hatte sich ein vor Vorfreude zuckender Fanklumpen an den Pforten des tiefen Konzertsaals gebildet. Bei Einlass offenbarte sich eine riesige, mit dezenten Farben ausgeleuchtete Fräsgrube, in der es, abgesehen von der Bühnenbebauung und den Stuhlreihen, keinen einzigen rechten Winkel gibt. Der glitzernde Effekt, den das Licht auf dem Relief der Salzwände auslöst, machte eine aufwendige Lightshow gleichermaßen unerwünscht wie überflüssig. Auf und neben der leicht erhobenen Bühne stand ein Instrumentarium versammelt, wie man es von QOTSA-Konzerten nicht kennt: Etliche akustische Gitarren und ein anderthalb Meter breites Vibraphon. All diese Gegenstände sollten während des ganzen Konzerts unberührt bleiben, denn Josh Homme und seine Band hatten an diesem Abend schlicht keine Lust auf gänzlich unverstärkten Sound. Als die Queens die Bühne betraten und wie selbstverständlich ihre E-Gitarren umschnallten, fiel es manchem wieder ein: Mein Gott, das Oropax! Doch schon der Opener »Hangin‘ Tree« zeigte, dass die Band eine Art semi-akustischen Klang gewählt hatte. Ein sauber ausgesteuerter, nicht zu lauter Sound gab den Songs einen ungekannten, soften Touch, ohne sie ihrer Dynamik zu berauben. Was da geboten wurde, war immer noch eine Rockshow, und zwar »the world’s most underground rockshow ever«, zu der ein gut aufgelegter Josh Homme nach dem zweiten Song »River In The Road« sein gelb behelmtes Publikum begrüßte.

    Das Set bestand vor allem aus den groovigen, etwas gemäßigteren Songs des gesamten Repertoires der Band und überraschte zudem mit selten gehörten Stücken wie »Mosquito Song« oder dem unfassbar coolen »You Got A Killer Scene There, Man…«. Weiterhin gab es den Desert-Sessions-Klassiker »I Wanna Make It Wit Chu« in der für »Era Vulgaris« aufbereiteten Version zu hören, außerdem zwei klar gesungene Coverversionen von Billy Idols »White Wedding« und Tom Waits »Goin‘ Out West«, beide bekannt von den B-Seiten der Singleauskopplungen »Make It Wit Chu« und »Sick, Sick, Sick«. Nach einer guten Stunde setzten die Queens mit »I Was A Teenage Hand Model« einen schönen Schlussakkord und verließen unter tosendem Beifall den Saal. Wie erwartet, gab es keine Zugabe. Josh Homme zeigte sich trotzdem noch einmal im Publikumsraum und schüttelte in den ersten Reihen Hände, die zu strahlenden Gesichtern gehörten. Es folgte das zwei Stunden in Anspruch nehmende Aufzug-Prozedere. Endlich über Tage angekommen, taumelten die vier Mannschaften in ihre Busse zurück, freuten sich gemeinsam oder jeder für sich und fühlten sich bereichert.

    Es stellt sich die Frage nach dem Sinn, der hinter einer derart aufwendigen und teuren Promotionmaßnahme steckt, denn es scheint fast so, als ob die Queens wie von selbst immer größer und größer werden. Ihre Konzerte sind in der Regel ausverkauft, das Geschäft mit den Tonträgern floriert noch immer und Josh Homme zählt längst zu den Superstars im Rock-Biz.
    Doch damit ist eben noch kein Denkmal gesetzt. Dazu braucht es denkwürdige Veranstaltungen wie diese. Bleibt zu hoffen, dass hinter dem nächsten Queens Of The Stone Age-Album eine ähnlich innovative Idee steckt. Man darf zuversichtlich sein.

»Era Vulgaris« der Queens Of The Stone Age wird am 30. November als Tour-Edit neu aufgelegt und neben dem regulären Album eine Bonus-CD mit acht weiteren Stücken beinhalten, ihre neue Single »Make It Wit Chu« ist heute erschienen (beide: Universal Music). Im Frühjahr 2008 setzen die QOTSA ihre »Era Vulgaris«-Tour mit zwei weiteren Deutschlandterminen fort.

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