Queens Of The Stone Age … Like Clockwork

Queens of the Stone Age … Like Clockwork
QUEENS OF THE STONE AGE

LIKE CLOCKWORK
MATADOR / BEGGARS / INDIGO – 31.05.2013

Boung! Minuten nach der ersten unreflektierten Begeisterung die Frage: Ist es ein Bass oder Josh Hommes abgrundtief gestimmte Gitarre, die diesen Klang fabriziert? Der Bass, klar, aber egal: Genau so und nicht anders, mit diesem Sound muss er beginnen, der Befreiungsschlag. Das ist ein Boung!, wie ihn der unselige Peter Steele von Type O Negative gewollt hätte, als er sich einen Kontrabass mit schmiedeeisernen Ketten umhängte – aber nie erreichte. Sounddesign, ja, aber gekonnt, nicht gewollt. Der saftige Klang einer dicken, langen, metallischen, holzresonierenden, elektrifizierten Saite; genau das, nach dem alle Kyuss-Nostalgiker (ich) immer lechzten; der Sound der fetten, warmen, analogen Rock-Freiheit, den man entweder lebt oder nicht.
   Hier könnte dieser Text enden. Doch das Befreiungswerk der wichtigsten Rrrock-Band des Planeten ist noch viel mehr als dieser Boung! Es ist ein rundum gelungenes Zusammenspiel von Hommes emphatisch-stimmarmem Singsang mit 30 Jahren wohltemperierter Rockgeschichte und damit die Antwort auf vieles: auf die vom guten, leider wenig kreativen John Garcia gepflegte Kyuss-Nostalgie, auf die plastifizierte Major-Maschine, die man die letzten Jahre sinnloserweise bediente, und darauf, was es heißt, nach Jahr und Tag und wissend um alles, was da draußen passiert, noch Rrrock-Alben zu produzieren. Denn: Joshua Michael Homme ist kein naiver Rocker. Das ist sein Problem. Aber jetzt auch seine Rettung.
   Kyuss, dieses mehrere Jahre und nach außen drei beständig rundere Alben lang wachsende juvenile Wüsten-Hardrock-Ding, hatte mit dem abschließenden … And The Circus Leaves Town ein einzigartiges Dokument hinterlassen. Wenn Homme, der wesentliche Architekt der Geilheit, fühlt und weiß, dass das niemals wieder so geil geht – das sagte er mir jedes-Interview-mal mit einer dicken sentimentalen Nicht-zu-ändern-Träne im nicht vorhandenen Knopfloch –, dann ist das eine fundamentale Aussage, die Respekt abverlangt. Queens ist nicht die blinde, große, organische Liebe meines Lebens, aber so ist das nun mal. So was wie Kyuss gibt’s nur einmal.
   Gemeinsames Seufzen, weitermachen, besser machen und hoffen, dass es sich noch einmal ähnlich rund anfühlt. Was nach fünf immer weniger gelungenen Versuchen jetzt der Fall ist. Jedwede Anwandlung, so wie Kyuss oder Wüsten-Gene­rator-Partys zu klingen, ist überwunden. Das ist Garagen-Rock der unerträglich rund-erwachsenen Art, die imaginäre Schnittmenge aus Albini-Sound-Nerdismus und seelengetriebenem Hendrix-ElectricLadyland im Alte-Säcke-die-wissen-was-sie-tun-Gewand. Was angesichts der Tatsache, dass die Queens demnächst wieder große Open-Air-Bühnen beschallen werden, das letzte bestehende Problemfeld aufmacht: Ganz groß funktioniert nicht. Diese Musik braucht ein geschlossenes Umfeld, Clubs, die maximal 1500 Menschen fassen.
   Auch wenn die Stücke drei und zehn dieses Albums genau wie die Musik klingen, die Robbie Williams falsch beratenerweise nicht hinbekommt, also wie ein Stück Herz-rausreiß-Wahrheit, inklusive »I feel no love« – die Queens sind nicht Queen. Die Queens sind – und wie geil ist das, bitteschön? – jetzt endlich eine Band, die von mir aus bis zu ihrem letzten Atemzug wahrhaftige, seelengetränkte, analog­fette Rockmusik produzieren kann, die bei allem Nostalgia-Feeling trotzdem immer now ist. Einfach weil sie lebt. Punkt.

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