Propaganda-Pop: SPEX präsentiert Krieg Singen Thementage im HKW

Foto: Laibach / Maya Nightingale

Der Ton macht den Krieg. Im Berliner Haus der Kulturen der Welt setzen sich Künstler wie Laibach oder Hauschka mit einem substanziellen Aspekt von Musik auseinander, der gleichzeitig ihr größtes Übel ist: Gewalt.

»My subject is war / And the pity of war/ The poetry is in the pity / All a poet can do today is warn«, so die Einsicht des britischen Weltkriegssoldaten und Lyrikers Wilfred Owen – zitiert von Benjamin Britten als Vorwort seines War Requiems und als solche immer noch und immer wieder gültig. Kampf und Krieg sind der Poesie wie der Musik, die vielfach als solche verstanden werden darf, ins Erbgut eingeschrieben.

KriegSingen_presse-TriMinh_2Foto: Doan Tri Minh

Wer heute aufnimmt, überträgt, abspielt, greift auf Technik zurück, die gestern für militärische Zwecke entwickelt wurde. Vocoder und Magnetband sind die eine Sache. Weniger greifbar, dennoch nach wie vor wirksam instrumentalisiert, ist die emotionale Komponente des Musik-Genoms – Hass braucht Helden. Es waren die Lale-Andersen-Schmachtfetzen im Zweiten Weltkrieg, heute sind es klanggewaltig unterlegte IS-Propagandavideos oder rechter Sprachgesang zum Untergang (SZU) auf Youtube – Musik ist Seelennahrung und als solche subtil wie offensichtlich als Werkzeug für unmoralische Zwecke zu gebrauchen. Sie bietet aber gleichzeitig die Chance, genau das zu reflektieren.

Nach den Schwerpunkten Böse Musik und Krieg Erzählen aus den vergangenen beiden Jahren führt das Berliner Haus der Kulturen der Welt mit den Thementagen Krieg Singen die inhaltliche Auseinandersetzung mit Klang zwischen Friedens- und Folterinstrument fort. An vier aufeinanderfolgenden Tagen, beginnend heute, gestalten Künstler wie Laibach, der Komponist Ari Benjamin Meyers oder Milo Rau das Programm im Rahmen des HKW-Projekts 100 Jahre Gegenwart.

foecking_hauschka_3 3605_1Foto: Hauschka

Als eine von etlichen außermusikalischen Annäherungen rückt die Installation Hate Radio beispielsweise eine Hasskampagne in den Fokus, die Mitte der Neunzigerjahre den Völkermord an der ruandischen Minderheit der Tutsi über den Rundfunk befeuerte. Wie Doan Tri Minh nutzt auch Hauschka in Kollaboration mit dem Chor der Kulturen der Welt Originalaufnahmen und Propagandalieder aus der Zeit des Vietnamkriegs, Wilhelms des Zweiten und Adolf Hitlers für musikalischen Spurensuchen. Workshops und Expertengespräche flankieren die künstlerischen Beiträge.

SPEX präsentiert Krieg Singen
14. 01. – 17. 01. 2016 Berlin – Haus der Kulturen der Welt (HKW)
Zu allen Infos, Tickets und dem kompletten Programm hier entlang.

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