Prinzhorn Dance School

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Clay Class ist eine dieser Platten, von denen man beim ersten Hören denkt, man kennt sie schon. Als ob die Musik eine Lücke füllt, einen Platz, der längst schon da war, es hat bisher nur keiner gemerkt. So was ist gut, weil es auf den Punkt bringt, was anscheinend mal gesagt oder getan werden musste. So was ist schlecht, weil es womöglich einem Klischee Ausdruck verschafft, das den Zeitgeschmack auf den kleinsten gemeinsamen Nenner bringt.

   Prinzhorn Dance School ist ein Duo aus Brighton und Portsmouth, bestehend aus Tobin Prinz (Stimme, Gitarre, Drums) und Suzi Horn (Stimme, Bass, Drums), Clay Class ist ihre zweite Platte. Ihre Musik erinnert an den schleppenden Rock’n’Roll von The Fall (nur dass The Fall viel monotoner, krasser und sexier sind) oder an den scheppernden Groove von E.S.G. (nur dass E.S.G. viel wilder sind). Ein bisschen denkt man an die alten LCD Soundsystem. Das erklärt womöglich, warum das Album auf DFA erschienen ist, einem der zwei, drei Labels, die die traurigen Nullerjahre musikalisch erträglich gemacht haben.

   Natürlich ist der Sound von Prinzhorn Dance School von iTunes-Gigabytes an Archivmaterial beeinflusst. Wenn man will, kann man den kantigen New Wave von Pylon heraushören oder den minimalen Stil der Buzzcocks, mit Melodien zu arbeiten. Man könnte sich sogar an Elliot erinnert fühlen. Das israelische Trio brachte 2003 eine Platte heraus, die ähnlich melancholisch wie Clay Class und ebenfalls durch zweistimmigen Frau-Mann-Gesang gekennzeichnet war. Elliot thematisierten das Retropop-Dilemma: »It made a lot of sense in 1988 / To put my back against the wall and see and wait / 1988 was not a very good year / It’s coming backing again / Is exactly what I fear.«

   Die ewige Wiederkehr des Immergleichen ist in der Tat unheimlich. Aber wenn das Archiv nun mal da ist, muss man sich dazu ins Verhältnis setzen. Die Archivmusik, die in den vergangenen zehn Jahren am meisten Einfluss gewinnen konnte, ist der Sound jener New-Wave-Acts aus den frühen Achtzigern, die den krassen Funk der amerikanischen Metropolen mit den expressionistischen Exzessen kurzschlossen, die Punk entfesselt hatte. LCD Soundsystem und viele andere hatten in den späten Neunzigern einen ähnlichen Zugriff vorgenommen, indem sie House und Techno mit der Energie von Punk infiltrierten, und wieder Mikros in die Hand nahmen.

   Clay Class ist vielleicht ein Beispiel für den logischen Endpunkt dieser Entwicklung, bei der alles wieder auf Anfang gestellt wird. Das Album ist unglaublich langsam. Es rollt auf simplen, aber extrem effektiven Rhythmen zwischen fast an Blues erinnernden Mustern und Discobeats daher. Es gibt keine Flächen, oft nicht mal Linien, wenn man von der einen oder anderen Melodie absieht, die von der Gitarre so gespielt wird, dass der eine Ton in den anderen übergeht. Es sind sonst nur Punkte, diskrete Signale, rhythmisch angeordnet in Raum und Zeit. So viel leeren Raum kennt man sonst nur von Dub, Techno und den Liedern der Chain Gangs. Prinz und Horn interessieren sich für leere Räume, sagen sie. »Felder, Seen, Lagerhallen, die See, menschenleere Parkplätze«. Prinzhorn Dance School sind Melancholiker, aber nie wirklich aggressiv, selbst wenn es um dringend angemahnte Veränderungen geht: »Shake your jar / Rattle your tin / Scratch that scar / Let the fight back in.« Clay Class ist eine schöne Platte, aber kein radikales Statement; ein britisches Popalbum.

03.02.2012   DFA / Cooperative Music / Universal

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Video — Prinzhorn Dance School Happy In Bits

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PRINZHORN DANCE SCHOOL Live:
12.03. Freiburg — Atlantik
14.03. Bern — Rössli @ Reitschule
20.03. Wien — Fluc
22.03. Dresden — Scheune
23.3. München — Atomic cafe
24.03. Heidelberg — Karlstorbahnhof
25.03. Berlin — Kantine @ Berghain
26.03. Hamburg — Knust
27.03. Köln — Tsunami

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