Diverse Prins Thomas Presents Cosmo Galactic Prism

Darauf haben wir gewartet: Einer der aktuell prominentesten Hauptnachlassverwalter locker durchs All driftender Clubmusik hat sein Musikarchiv durchforstet und aus alten wie neuen Favoriten einen beinahe schon lächerlich großartigen Mix zusammengebaut – ganze zwei CDs und knapp 160 Minuten umfassend. Der Grundmotor ist freilich Disco, hier in ihrer abgebremsten Ausformung – der Trip, um den es gehen soll, wird im Plattentitel mehr als nahe gelegt. Klar, dass Prins Thomas einige wahre Schätze zu Tage fördert. Stücke, die eine zurückgelehnte Entspanntheit eint, ohne dabei ins Beliebige oder Belanglose wegzubrechen. Und natürlich ist hier alles drauf, was man so erwarten würde: Abgespaceter Krautrock, fetter Streicher-Bombast, entschlackter Techno, Pop in Schräglage. Angejazztes, dezente Blicke nach Lateinamerika, Elektronika oder eben Disco im Sinne von Disco. Holger Czukay pendelt in seiner Nummer zwischen Captain Beefheart und Helge Schneider, Hawkwind geben sich versöhnlich, Boards Of Canada werden wie zufällig integriert, der ewige Komplize Lindstrøm und Landsmann Bjørn Torske dürfen auch nicht fehlen. Auf CD 2 wird das Tempo sachte nach oben geschraubt und mit Matias Aguayo, Recloose im Isolée-Mix und Closer Musik auch schon mal kompakter auf Tanzmusik der Gegenwart Bezug genommen. Die Klammer zurück in die Vergangenheit setzt schließlich ein Name mit größtmöglicher Strahlkraft: Parliament beendet den Mix. Nun tut die besondere Erwähnung einzelner der allesamt sehr tollen Stücke der Platte ein wenig unrecht, vielmehr sollte »Cosmo Galactic Prism« als einheitlich schillerndes Pop-Universum begriffen werden. Hier liegt nämlich die große Kunst von Prins Thomas, ebenso wie das Unterscheidungsmerkmal zu anderen quer durch die Stile wildernden Auflegern wie, sagen wir, Optimo, die eher vom kalkulierten Stilbruch leben: Er schafft es die unterschiedlichsten musikalischen Materialien zu einem jeglicher Schnarchnasigkeit fern liegenden homogenen Gesamtklang zu montieren. Schön auch, dass die Zusammenstellung nicht lautstark von den Mix-Skills des Machers oder irgendeines Computerprogramms kündet, vielmehr sind die Tracks recht lose und wie beiläufig ineinander geschoben, was der entspannten Atmosphäre nur äußerst zuträglich ist.
    Vor allen Dingen aber zeigt diese atemberaubende Compilation, dass das Thema »Cosmic«, das als Konzept ja nahezu alles und nichts bedeuten kann, scheinbar noch lange nicht durch ist. So ist etwa die Tür zu hier selbstredend auch vertretenem cheesy Gitarrengedaddel aus der Softrock-Grabbelkiste erst ein Spaltbreit aufgestoßen – da geht noch einiges, was ja auch nicht zuletzt Kollege Todd Terje mit seinen berüchtigten Edits für beispielsweise Chris Rea immer wieder beweist. Solange wir uns noch auf der Seite jenseits von witzig gemeintem Trash-Gehabe bewegen, ist’s wirklich mehr als gut so.

LABEL: Eskimo Recordings / Neuton

VERTRIEB: RTD

VÖ: 29.06.2007

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