Prince Rama »Xtreme Now« / Review

Spiritualität, Dimensionensprünge und Schamanismus im Neon-Glam-Gewand – oder alles Parodie?

New Age, Next Age, Now Age. Prince Rama – der Bandname bezieht sich auf die siebte Inkarnation der hinduistischen Gottheit Vishnu – schwelgen vorzugsweise in der Gegenwart. Aber Zeit ist bekanntlich relativ, weshalb das Schwesternpaar Nimai und Taraka Larson das Heute und das Gestern heiter durch den Stilmixer jagt: Motocross-Leder schmiegt sich an Mona-Lisa-Kitsch, neben dem mittelalterlichen Ritterschwert funkelt Achtziger-Disco-Glitzer. Brooklyn, die Homebase des hyperproduktiven Duos mit Krishna-Kommunen-Vergangenheit in Florida und zweitem Standbein in der bildenden Kunst, macht’s möglich. Power Rangerama! Energydrinks als Attitüde! Im Geschwindigkeitsrausch durch die Galaxien der Geschichte!

Mehr Disko, weniger Ashram – tauglich für den Dancefloor wie das Fitnessstudio.

Die Stücke auf Xtreme Now, das dem Album Top 10 Hits Of The End Of The World von 2012 folgt, seien während eines Sommeraufenthalts in einer Black-Metal-Community auf einer estnischen Insel entstanden, so die selbst verbreitete Legende. Die Larson-Schwestern interpretieren Xtreme Now als fiktiven Soundtrack zu GoPro-Extremsport-Videos – und haben damit das zugänglichste und tanzbarste Album ihrer Karriere geschaffen. Es gibt rauschenden Synthiepop mit beinahe obligatem Retro-Charme, zeitweilig kombiniert mit Dub- (»Believe In Something Fun«) und Gitarrenpop-Klängen (»Now Is The Time Of Emotion«, »Xtreme Now Energy«, »Would You Die To Be Adored«), die von Produzent Alex Epton alias XXXChange effektvoll in großflächige Hallräume gesetzt werden.

Wo Prince Rama zuvor noch heftig mit orientalistischen Klängen flirteten, heißt es jetzt: mehr Disko, weniger Ashram – tauglich für den Dancefloor wie das Fitnessstudio. Oder handelte es sich bei Prince Ramas versponnenen Inszenierungen rund um Spiritualität, Dimensionensprünge und Schamanismus im Neon-Glam-Gewand schon immer um – naive – Parodie? Ganz genau auszumachen ist das in der Hedonismus-betonten Haltung der Larson Sisters nicht. Zufällig oder auch gar nicht zufällig weckt die Single »Bahia«, ein infektiöser Call-and-response-Song mit saccharinsüßen Vocals, Erinnerungen an den Achtziger-Hit »Ghostbusters«. Erkenntnistrip: Auch Geister wollen Party feiern.

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