Jeder nennt jeden so

kreayshawn-1Foto – Jorge Peniche

    Das größte Kapital der Bay-Area-Rapperin KREAYSHAWN ist wohl ihre Unbekümmertheit. Ihr erster großer Youtube-Hit Gucci Gucci wobbelt auf Dubstep-Bässen und pumpenden 808-Subs dahin, während sie in quäkig-nasalem Tonfall rappt, als wäre die junge Roxanne Shanté zurück. In dem Song gehe es darum, »dass wir Frauen nicht die Modelabels definieren lassen sollten, wer wir sind«, sagt Kreayshawn, bürgerlich Nastassia Zolot. »Du solltest dich nicht über andere Menschen stellen, nur weil du eine verfickte Louis-Vuitton-Tasche hast.« Das kann man grundsympathisch finden. Oder naiv. Jedenfalls funktioniert es als Gegenentwurf zu R&B-Diven wie Rihanna und Beyoncé, die ein Powerfrau-Image verkörpern, aber denselben Materialismus propagieren wie ihre männlichen Pendants.

    Die ehemalige Filmstudentin aus East Oakland, die heute in Los Angeles lebt und aussieht wie eine punkige Mischung aus Amy Winehouse (R.I.P.) und Nicki Minaj, hat mehrere Videos für und mit Weirdo-Rapper Lil B (I’m Miley Cyrus) gedreht – und führte nun sogar Regie für die Red Hot Chili Peppers. Nach ihren Einflüssen befragt, nennt die 21-Jährige die Bay-Area-Rap-Legende E-40, aber auch die verstorbene Soulprinzessin Aaliyah. Und die Spice Girls.

    Solch Unbekümmertheit kann aber auch zum Problem werden: Ihre Crew White Girl Mob, bestehend aus Kreayshawn selbst, V-Nasty und DJ Lil Debbie, kam jüngst durch Freestyle-Videos ins Gerede, in denen diverse Male das N-Wort fiel. Auch in einem Twitter-Post benutzte Kreayshawn die eigentlich rassistische Bezeichnung, obwohl sie mit schwarzen Rappern wie Lil B oder der Odd-Future-Posse eng befreundet ist. Nachdem sie in Interviews zunächst abstritt, das Wort überhaupt verwendet zu haben, erklärte sie schließlich: »In Oakland werden Mexikaner so von Asiaten genannt. Schwarze werden so von Mexikanern genannt, Asiaten von Weißen. Jeder nennt jeden so. Ich könnte die Kritik verstehen, wenn ich eine durchgeknallte reiche Göre wäre, die das Wort nur benutzt, weil es zu Hiphop gehört. Aber ich bin so aufgewachsen, ich werde selbst so genannt.«

    Reich ist Kreayshawn inzwischen allerdings selbst: Columbia/Sony haben ihr einen Millionenvertrag angeboten, sie hat unterzeichnet. Ein weiteres Indiz dafür, dass in einer Zeit, in der Lil B oder Tyler, The Creator als kreative Erneuerer des Hiphop agieren, absurde Punchlines, groteskes Styling und lässige Attitüde den Nerv treffen.

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VIDEO: KREAYSHAWN – Gucci Gucci

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