Portico Living Fields

Solide Handarbeit ohne Ecken und Kanten: Portico geben sich auf Living Fields allzu anschmiegsam.

Die britische Band Portico, formerly known as Portico Quartet und inzwischen zum Trio verkleinert, bewegt sich mit ihrem vierten Album auf dem Gebiet musikalischer Heimeligkeit. Für den Gesang zeichnen dabei der Singer-Songwriter Jono McCleery und Joe Newman von der Indie-Band Alt-J verantwortlich, eine weitere Nummer steuert Neo-Soul-Musiker Jamie Woon bei. Kurzum: auf Living Fields herrscht eine stark introspektive Gemütslage vor. Zu zarten Popstrukturen auf angefrickelter elektronischer Basis, für die hier und da Bassmusik Modell gestanden haben mag, gesellen sich die versonnen nasebohrenden Gaststimmen, die ihre Anliegen stets mit britischem Understatement vortragen.

Ähnlich wie Howling verabreichen Portico der Seele ihrer Zuhörer – oder ihrer eigenen – eine geballte Ladung an Streicheleinheiten. Wogegen grundsätzlich nichts einzuwenden ist. Niemand muss sich schließlich mit Musik etwaigen Grenzerfahrungen aussetzen, um so die eigene Endlichkeit oder andere Extreme des Lebens vermittelt zu bekommen. Nimmt man allerdings einen oberflächlich betrachtet gleichgesinnten Musiker wie David Sylvian als Vergleichsmaßstab, muss man konstatieren, dass bei Portico die Gesangsdarbietungen bei weitem nicht die mysteriöse Tiefe des großen Freidenkers der britischen Musik erreichen und die Musik allzu gefällig und konturlos vor sich hin mäandert. Handwerkliche Fehler kann man dem Trio zwar nicht vorwerfen. Doch wer will sich schon mit solider Handarbeit zufriedengeben?

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