Portable »Alan Abrahams« / Review

Sanfter R’n’B? Handgespielter Bass? Afrikanischer Beat? Am Ende unerheblich.

Alan Abrahams ist einer der großen Enigmatiker des House. Ein Produzent, dem die Rolle des stummen Klanggestalters nie wirklich genügte, für dessen Musik der eigene Gesang über die Jahre immer wichtiger wurde. Die tiefe, melancholisch-warme, dabei immer leicht distanzierte Stimme, mit der Abrahams sich im selben Maß zu öffnen wie auf Sicherheitsabstand zurückzuziehen scheint, gehört untrennbar zum Portable-Sound.

Ebenso wie eine Vielzahl heterogener Einflüsse. Abrahams, der in Kapstadt aufwuchs, zog 1997 zunächst nach London, lebte einige Zeit in Lissabon und landete 2010 in Berlin. Diese diversen Prägungen spiegelt seine Musik. Am Beginn seiner Karriere vornehmlich abstrakt und instrumental unterwegs, entwickelte Abrahams sich mit Portable und seinem Techno-Nebenprojekt Bodycode mehr und mehr in eine stilistisch offene Deep-House-Richtung.

Man könnte das Ganze avancierten Pop nennen, global informiert.

Auf Alan Abrahams hat sich Abrahams noch einmal weiter geöffnet. Er lässt die Dinge hybrid angehen, orientiert sich lose an den Wegmarken Song, Clubtrack und Tribal-Session. Abrahams bildet mit seiner Stimme fast durchgehend das Zentrum, arrangiert die weiteren Elemente seiner Musik um sie herum. Song-Rudimente, afrikanische Rhythmen oder jazzige Gitarrenparts konnte man zwar schon früher bei Abrahams hören, auf dem Portable-Album Powers of Ten etwa. So konsequent von allen Erwartungen gelöst wie hier hatte sich Abrahams bisher aber nicht.

Dass der erste Song »Your Warrior« mit einsamen Geigentönen vom russischen Violinisten Alexey Kochetkov alias Aletchko beginnt, mag anfangs irritieren. Mit »Say It’s Going to Change« folgt darauf eine kristallklar strukturierte House-Nummer samt fein abgestimmter Polyrhythmik. Danach wird es in »Closer« noch unübersichtlicher. Sanfter R’n’B? Handgespielter Bass? Afrikanischer Beat? Am Ende unerheblich. Abrahams hat sich endgültig sein eigenes Terrain geschaffen und überzeugt in seinen zupackend-lyrischen ebenso wie in seinen abstrakten Momenten. Man könnte das Ganze avancierten Pop nennen, global informiert. Und ziemlich toll.

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