Popkultur, Feminismus, Spaß und so: SPEX präsentiert „Ich brauche eine Genie“

Chefboss, die Hamburger Frauen-Crew um Alice Martin und Maike Mohr.

Die SPEX-Autorinnen, Powerschwestern von Doctorella und Labelmacherinnen von Bohemian Strawberry Sandra und Kerstin Grether bringen mit der Konzertreihe „Ich brauche eine Genie“ in der Kantine am Berghain Pop und Feminismus einmal mehr zusammen. SPEX präsentiert das Event, das das Können der Frauen ins Zentrum rückt und dem männerdominierten Popgeschäft eine Kampfansage macht.

Längst hat sich der Feminismus aus dem Dunst akademischer Diskurse hinausbewegt: Der Mainstream findet Emanzipation und Empowerment mindestens genauso gut wie süße Katzenbaby-Videos. Das weiß Der Spiegel gleichermaßen wie H&M. Und auch der Pop hat’s gecheckt: spätestens dann, wenn Königin Beyoncé auf ihren Live-Performances feminist in fetten Versalien an die Wand projizieren lässt, müsste der Groschen gefallen sein. Feminismus und Popkultur passt wie Arsch auf Eimer, auch wenn es bei so manch einem ein bisschen spät geklingelt hat.

Das Musikbusiness, allen voran das deutsche, hinkt da allerdings noch mächtig hinterher. Sowohl seine Akteure als auch die präsenten Acts machen zu einem unfassbar großen Anteil noch immer unsere männlichen Kollegen aus. Wer Angst vor talentierten, selbstbewussten Künstlerinnen haben sollte, die die männliche Potenz infrage stellen könnten, bekommt nun weiteres Futter: Die SPEX-Autorinnen Sandra und Kerstin Grether bringen mit der Konzertreihe „Ich brauche eine Genie“ ein Event auf die Karte, das das Können der Frauen ins Zentrum rückt, ungleiche Repräsentanzverteilungen im männerdominierten Popgeschäft ausgleichen will und den im Subtileren kursierenden Stereotypen den Kampf ansagt.

Unter dem Motto „Popkultur, Feminismus, Spaß und so“ präsentieren die beiden Mitgliederinnen von Doctorella sowie Labelmacherinnen von Bohemian Strawberry Gegenentwürfte für den Pop. Es ist Zeit, den Frauen im Musikgeschäft weit mehr als nur das Dasein als Rollenmodell zuzusprechen. Mit Lesungen und Musik im Programm geht’s bei „Ich brauche ein Genie“ um gelebte und performte Kritik am Musikgeschäft, das die Augen vor der Professionalisierung der Künstlerinnen gerne mal verschließt. Frei nach dem Motto: „Das durch Musik ausgedrückte Lebensgefühl in Deutschland ist männlich geprägt – oder es ist Helene Fischer…“

Das muss nicht sein. Die Grethers wirken dem entgegen und haben sich dafür lautstarke Acts herangeholt: die Hamburger Frauen-Crew Chefboss um Tänzerin Maike Mohr und MC Alice Martin klingt so gewaltig, wie es daherkommt. Herumfliegende Mittelfinger, feinstens ausgearbeitete Voguing-Choreografien und kompromisslose Textzeilen komplettieren die fetten Beats. Ein anderes Power-Schwestern-Duo des Events bilden Jolly Goods. Tanja Pippi und Angy Lord haben schon gemeinsam mit Peaches und anderen gewerkelt und bringen demnächst ihr sanftes wie rotzfreches Chaos mit ihrem dritten Album unter die Menschen. Zuckerklub klingt süßer, als sie es sind: Marlen Pelny und Chio sind Poetinnen der radikaleren Art und verbinden Melancholisches mit Dreckigem. Das Duo unterwandert den deutschsprachigen Indie-Rock mit Tracks wie „Nagelstudio“ und versprüht romantischen Acrylgeruch nun auch auf „Ich bin eine Genie“.

Untenrum frei hieß der Debütroman der Autorin und Kolumnistin Margarete Stokowski, der sich den kleinen und großen Frage rund um Liebe, Sex und Feminismus schonungslos und humorvoll widmet. Stokowski ist vor allem für ihre Kolumne Oben und unten bei Spiegel Online bekannt – und wird nun auch bei „Ich brauche eine Genie“ ihre Zeilen zum Besten geben. Musikalisch heizt DJ The Ninette die Veranstaltung weiter auf. Die Mitbegründerin der alternativen multisexuellen Party „Queers and Guitar“ schreibt nicht nur über Feminismus und Popkultur, sie bringt beides auch auf die Plattenteller.

SPEX präsentiert „Ich brauche eine Genie – Popkultur, Feminismus, Spaß und so…“
29.06. Berlin – Kantine am Berghain

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