»Der ganze Rest«

pop-up-x-logo    Eigentlich hatten sich die Veranstalter der POP UP in Leipzig zum zehnjährigen Jubiläum des »Treffens der unabhängigen Musikszene und -wirtschaft« etwas Besonderes ausgedacht: Inspiriert durch Palais Schaumburgs Wir bauen eine neue Stadt wollten sie das Konzept der Messe – dem Herzstück der Pop Up – revolutioneren. Die Grenzen zwischen Besuchern und Machern sollten fallen und der Austausch in einer, in der Halle des Veranstaltungsorts Werk 2 errichteten Modell-Stadt mit Rathaus, Plattenladen, Museum und Club stattfinden.

     Doch dann folgte im April der Rückzieher: In einem Statement auf der Pop-Up-Webseite berichteten die Macher von zu wenigen Rückmeldungen und verabschiedeten sich im gleichen Absatz vollständig vom Messe-Konzept. »Musikmacher wollen diese Art Plattform offensichtlich nicht mehr«, heißt es in der Stellungnahme, »oder können sie sich nicht mehr leisten, zumindest in unserer ›Zielgruppe‹. […] Wir haben versucht, das mit einem neuen Konzept abzufangen und wurden eines Besseren belehrt.« Nicht aufgegeben haben die ehrenamtlich arbeitenden Mitglieder des Pop Universell e.V. jedoch das Vorhaben »über Musik, Popkultur, Business, Zeitgeschehen und den ganzen verdammten Rest [zu] diskutieren.«

    Deshalb werden am kommenden Wochenende auch die bereits geplanten Diskussionsrunden stattfinden, bei denen es unter Beteiligung von Experten wie Patrick Wagner um Themen wie Alternative Strategien für Musikvertrieb und -marketing, das Erwachsenwerden in und mit Popkultur sowie den Fluch und Segen von Laptops auf der Bühne gehen wird. Zum zentralen Programmpunkt wird durch den Ausfall der Messe aber das begleitende Festival, das wie in den vergangenen Jahren vor allem weniger bekannte Bands und Projekte präsentiert. Zu den größeren Namen auf dem Programm zählen neben den Postpunkern 206 aus der Nachbarstadt Halle, der Post-Dubstep-Produzent Pariah aus England und die großartigen Avantgardisten des Animal Collective aus den USA.

    Zum ersten Mal gibt es bei der Pop Up in diesem Jahr auch ein Filmprogramm. Und so lässt sich am Samstag im schnuckeligen Kino Prager Frühling die Dokumentation All Tomorrow's Parties über das gleichnamige Festival betrachten und gleich im Anschluss nur etwa 200 Meter weiter im UT Connewitz das Konzert von Animal Collective – die gerade erst die letzte Ausgabe des besagten Events kuratiert haben – verfolgen. Auch ohne Messe gelingt es also bei dieser Pop Up, diskursive Netze zu knüpfen.


VIDEO: POP UP LEIPZIG – Trailer (für das aufgegebene Konzept Wir bauen eine neue Stadt)

POP UP:
20.-21.05. Leipzig – verschiedene Orte
mit: Animal Collective, Pariah, 206, Crystal Fighters, Ira Atari, Teen Girl Fantasy, Luke Abbott u.v.m.

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