Pop-Kultur 2015: Bewerbungsstart für Pop-Kultur Nachwuchs / SPEX-Talk / Lesung mit Balbina & Norbert Bisky

Foto: Nico Woehrle

Ein Wort (Bindestrich hin oder her), das verpflichtet: Berlin hat ein neues Festival. Es heißt Pop-Kultur und schreibt sich damit erstmals auf die Fahne, wofür SPEX – Magazin für Popkultur dem Subtitel nach seit 35 Jahren steht: Eine neue Form des Über-Pop-Sprechens.

Warum also nicht diese Faust auf’s Auge packen? Wer dreieinhalb Dekaden auf dem Buckel hat, kann dem Festival-Frischling noch was mitgeben, deswegen tut SPEX im Rahmen des »35 Jahre SPEX«-Talks am 28. August in der Schlackehalle im Berghain, was seit jeher die Kernkompetenz dieses in Köln als DIY-Blatt gegründeten und mittlerweile gleichfalls in der Hauptstadt ansässigen Magazins ist: Themen setzen und alte Fragen neu stellen. Im Jahr des »Female-Issue« heißt das: Wie steht es eigentlich um die Gerechtigkeit im Pop-Betrieb? Die Talkrunde befasst sich selbstkritisch mit der noch immer ausstehenden, angemessenen Repräsentation weiblicher Musikerinnern und Journalistinnen auf Festivals, in Labelkatalogen und den Musikmedien.

Auch an anderer Stelle wird ge- und hinterfragt. Und das Zauberwort heißt weiter: Synergien. So diskutieren der Maler und Baselitz-Schüler Norbert Bisky und der Neurowissenschaftler Dr. Tom Fritz vom Leipziger Max-Planck-Institut die Wirkung von Musik auf die Synapsen. Warum macht die Erzeugung von Klängen euphorisch? Musik = Heilmittel? Am 27. August sprechen Bisky, der für seine spektakulären Bühnenbilder und Raum-Klang-Installationen bekannt ist, und Fritz, Leiter der Forschungsgruppe »Musikevozierte Hirnplastizität« über Ton als Therapie.

Womöglich tut Balbina (Foto ganz oben) längst, worüber Fritz und Bisky sinnieren. Der Titel des Debütalbums der Berlinerin mit dem nüchternen Blick und der nüchternen Klamotte suggeriert zumindest, dass Pop zuerst im Kopf passiert: Über das Grübeln. Ob sie bei ihren Gedichten genauso stirnrunzelnd und sprachvernarrt zu Werke geht, wird die anschließende Lesung unveröffentlichter Poesie in der Berghain-Garderobe zeigen.

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So jung kommen wir nicht mehr zusammen: Das vom Musicboard Berlin organisierte Festival sieht sich auch als Brückenschläger zwischen im Pop-Kosmos bereits Etablierten und denen, die gerade auf der Startrampe stehen. Im Rahmen des zweitägigen »Pop-Kultur Nachwuchses« geben Popkultur-Protagonistinnen wie Ólafur Arnalds, Sookee, Jens Balzer von der Berliner Zeitung, die Labelmacherinnen Anne Haffmans oder Maurice Summen sowie Anti-Sampling-Großmeister Matthew Herbert (Foto oben), der selbst mit einem Auftritt im Festival-Programm vertreten ist, als Mentorinnen ihren Erfahrungsschatz an Ambitionierte aller Sparten weiter.

Angehende DJs, Bloggerinnen, Musikerinnen, Journalistinnen oder Festivalinitiatorinnen können sich vom 02. Juni bis zum 10. Juli hier für das Förderprogramm inklusive verschiedener Workshops, Case Studies und Talkformate in den Werkstätten des Bühnenservice der Stiftung Oper in Berlin (Foto unten) bewerben. Die Teilnehmerzahl ist auf 150 begrenzt, der Unkostenbeitrag beläuft sich auf 35 Euro pro Person.

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Pop-Kultur Festival
26. bis 28. August Berlin – Berghain

Pop-Kultur Nachwuchs
26./27. August Berlin – Bühnenservice

Alle Infos, das komplette Programm und Tickets gibt es hier.

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