Polymorphism #5 & #6

William Basinski   FOTO: James Elaine
William Basinski   FOTO: James Elaine

Immer mal wieder, in unregelmäßigen Abständen, da verschiebt er sich, der Raum. In der Musik. Durch die Musik. Es quillt in den Spalten, neue Formationen werden freigesprengt, andere formen sich statisch in der Luft. Polymorphism heißt die Veranstaltungsreihe des CTM Festivals, bei der all jenes zu erleben ist. Am heutigen Mittwoch, dem 15. Mai, sowie am Donnerstag, dem 16., finden nun die fünfte und sechste Ausgabe jeweils im Berghain, Berlin, statt.
   Beim ersten der beiden von SPEX präsentierten Abende trifft dabei Bobby Krclic alias The Haxan Cloak auf William Basinski. Excavation, das zweite, just bei Tri Angle veröffentlichte Album von The Haxan Cloak schlägt derzeit einige Wellen. Zu Recht, setzt sich Krclic nach seinem eher Drone-lastigen Debüt damit doch an die Spitze einer neuen hypnagogischen Bewegung zwischen Metal, Ambient-Drone und Techno wie sie aktuell auch in SPEX N°344 porträtiert wird. Excavation wird dabei zur krisseligen Grenzerfahrung mit allen drei Instanzen der Psyche. Ähnliche Ergebnisse erzeugt der Komponist, Musiker, Loop-Künstler William Basinski bereits seit beinahe 30 Jahren. Nicht nur Antony Hegarty, David Tibet und Carsten Nicolai zählen zu seinen Anhängern, von Simon Reynolds und Mark Fischer wurde er gar zu einer Art Urvater der Hauntology stilisiert. Bei Arbeiten wie The Disintegration Loops bezieht Basinski auch immer wieder die physische Konstitution bzw. den Verfall seiner Medien ein. Außerdem geben Peter »Pure« Votava und Rafal Iwanski unter dem Namen PRSZR ein polyrhythmisches Konzert zwischen digitalen Sounds und tribalistischer Perkussion. Die musikalische Vielfalt des Abends fasst dann das DJ-Set von Fearplay zusammen.
   Am Donnerstag steht dann House im musikalischen Vordergrund. Und analoge Synthesizer. Auf einem Roland TB-303 und einem Jupiter-8 sowie einer TR-808 spielte nämlich der Bollywood-Musiker Charanjit Singh 1982 ein legendäres Album ein, das rückblickend als eine erste Manifestation des Acid House gehört werden kann – circa drei Jahre bevor in Chicago Nathaniel Pierre Jones und Kollegen die Grundlagen des Genres legten. Synthesizing: Ten Ragas to a Disco Beat heißt das Werk, welches Singh mit dem Original-Setup live aufführen wird. Gerald Simpson, der als Gründungsmitglied von 808 State und solo als A Guy Called Gerald wesentlich am Entstehen des britischen Acid House Ende der 80er beteiligt war, wird ebenfalls ausschließlich live mit seinen analogen Synthesizern auftreten. Der improvisierte Live-Jam soll in dabei auch in jene Zeiten des Aufbruchs zurückführen und könnte dabei auch einige seiner frühesten Arbeiten wieder zu Tage fördern. Komplettiert wird der Abend von einem DJ-Set des Mobiletti Giradischi (alias CTM-Programmdirektor Remco Schuurbiers), das sich auf die elektronischen Vorgänger von Acid fokussieren wird.

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