Poliça »United Crushers« / Review & Vorabstream

Channy Leaneagh versucht sich auf »United Crushers« als scharfsinnige Beobachterin ihrer Umwelt. Das Ergebnis ist beunruhigend vage.

Wenn Poliça-Sängerin und -Texterin Channy Leaneagh erzählt, wie ihre Band United Crushers aufgenommen hat – sie mit ihrem zweiten Kind schwanger und täglich von Übelkeit geplagt, Produzent Ryan Olsen mit grippalem Infekt –, will man sich die Szenerie im texanischen Flachland nahe El Paso nicht allzu bildlich ausmalen. Sie über der Kloschüssel, er über der Kloschüssel, beide kontragravitätischen Zwängen ergeben, der Rest der Band geduldig wartend, bis es wieder einigermaßen geht.

Das Cover des Albums erinnert an den schwierigen Aufnahmeprozess: Wie an Farbfäden hängend und unverkennbar schwanger krümmt sich darauf eine Silhouette. Auf der Platte ist von Unwohlsein allerdings nichts zu hören. Leaneaghs Stimme klingt ätherisch-fluoreszierend wie immer, die Synthies blubbern und fiepen fröhlich wie R2D2, zwei Schlagzeuge und diverse Drumcomputer treiben die Songs voran. Alles wirkt noch so verträumt und entrückt, wie man Poliça kennengelernt hatte, als sie 2012 ihr Album Give You The Ghost veröffentlichten und sich ob all der Aufmerksamkeit (besonders der von Jay Z und Bon Iver) die Augen rieben.

Von Unwohlsein nichts zu hören: Synthies blubbern und fiepen fröhlich wie R2D2.

Auf United Crushers gibt es wieder die dank James Blake und Konsorten schwer in Mode geratene Mischung aus Indietronica, R’n’B und Pop, alles natürlich mit der Vorsilbe Post- versehen. Über flirrenden Synthesizern und TripHop-Beats schwebt Leaneaghs Stimme, die diesmal noch präsenter und organischer wirkt, da weniger mit Effekten gearbeitet wurde. Leaneagh gleicht in ihrer Zartheit und Melancholie noch immer einer Sylphide, einem schwärmerischen Luftgeist, tritt aber nicht mehr so weltabgewandt auf. Die Themen der Songs auf United Crushers sind es ebenso wenig.

Leaneagh richtet ihren Blick weniger nach innen, sondern versucht sich vielmehr als scharfsinnige Beobachterin ihrer Umwelt. Es geht politisch und gesellschaftskritisch zu, wird aber auch mal persönlich. Während in »Baby Sucks« über die Tücken des Musikgeschäfts gesungen wird, handeln andere Songs von Gentrifizierung, sozialer Ungerechtigkeit oder einer neuen, ehrlichen Liebe. Dieser Eklektizismus in Poliças Einflüssen, in ihrem eigenwilligen Stilmix genauso wie in der Wahl ihrer Themen, macht die Band aus Minneapolis zu etwas Besonderem. Niemand wisse, was als nächstes passiert, sagt Leaneagh, wenn sie von der Zeit nach diesem Album erzählt. Das ist zweifellos wahr. Und beunruhigend vage.

Das komplette Album kann ab sofort in voller Länge via NPR gestreamt werden.

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