Pole

Schwieriges Cover! Also, ernsthaft. Schloß Neuschwanstein im Winter, Kitsch as Kitsch can. Eigentlich müsste man da direkt schon tiefenpsychologische Rückschlüsse auf Musik und Kontext und all das …
    Das eigenartige an Stefan »Pole« Betke ist, dass er machen kann, was er möchte: Man erkennt immer seine Handschrift. Schon nach den ersten Takten von »Steingarten« stellt sich auch diesmal das bekannte »ahh, Pole!«-Gefühl ein – dabei hat er sich doch so eine Mühe mit der Weiterentwicklung gegeben. Das charakteristische, geradezu markante rhythmische Dub-Brummeln, das auf seinen bisherigen Platten so prägend war, wird aber auf »Steingarten« in die Rolle nur noch ebendieses Mittels der Pole-Wiedererkennung gedrängt, während im Vordergrund die Weiterentwicklung in Form von »Pop und Avantgarde« stattfindet. Und wahrscheinlich erklärt das dann auch das Coverbild – »Achtung, hier kommt etwas Unerwartetes, aber keine Angst, es wird hübsch und ungefährlich«.
    Das Ding hat Stil wie immer: Die Titel der Stücke latent mysteriös und noch dazu hübsch in Kleinbuchstaben gehalten (»winkelstreben«, »sylvenstein«, »düsseldorf«, »pferd«, …), der Klang ebenfalls von einem gefälligen Understatement durchzogen. Es ist eine angenehme und sicher nicht schlechte Platte geworden, die zwischen Minimal-Elektronik, Dub und Funk, ja, auch zwischen Pop und Avantgarde mäandert. »Steingarten« ist eben ein Album, das diesmal nicht mehr nur Mathematikstudenten gefallen dürfte. Man braucht keinen Szene-Background mehr, um die angepriesene und durchaus vorhandene »Behaglichkeit« und »Zwischenform« dieser Platte genießen zu können – man könnte allerdings auch meinen, dass dies vielleicht auch Euphemismen für »Unentschlossenheit« und »Harmlosigkeit« gewesen sein könnten.

LABEL: ~scape

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 02.03.2007

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