Pissed Jeans „Why Love Now“ / Review

Angepisst und noch angepisster: Auf ihrem fünften Album Why Love Now kotzen sich Pissed Jeans unter anderem über Männlichkeit aus.

Das fünfte Album von Pissed Jeans beginnt, wie ein Album von Pissed Jeans beginnen muss. Mit einem hysterischen Schrei, der nach wenigen Sekunden nahtlos in Matt Korvettes kläffenden und knurrenden Gesang übergeht. Gleichzeitig hat die Band das Ende von Why Love Now an den Anfang gestellt, denn zu keinem Zeitpunkt klingt sie abgekämpfter und desillusionierter als im Opener „Waiting On My Horrible Warning“. Vier Minuten schleppen sich Pissed Jeans wie ein Rudel angeschossener Tiere durch den Song, Korvette dehnt jede Zeile zu einem Hilferuf, bei dem man die Speichelfäden geradezu ans Mikrofon klatschen hört. Vielleicht spuckt er aber auch einfach nur Blut: „I used to play punk / Now I’m just singing the blues.“ Doch man darf sich von diesem schlingernden Beginn und Korvettes Worten nicht täuschen lassen – natürlich ist Why Love Now kein Blues-, sondern ein weiteres misanthropisches Noisepunk-Album geworden.

Gitarren wie Kettensägen, Schlagzeug wie ein dieselgenerator

Pissed Jeans hatten aber auch nie wirklich eine Wahl. Seit 13 Jahren schreibt Frontmann Matt Korvette dermaßen zynische und wütende Texte über sein Berufsleben als Büroangestellter, sein Privatleben zwischen Datingportalen und Fetisch-Seiten sowie dem ganzen anderen Wahnsinn, dass die Gitarren dazu wie Kettensägen und das Schlagzeug wie ein Dieselgenerator klingen müssen. Allerdings durfte das Quartett aus Allentown, Pennsylvania dabei nie ganz so kompromisslos vorgehen wie die Konkurrenz aus Noise, Punk oder Hardcore – schließlich mussten Korvettes Texte immer verständlich bleiben. Die bestehen häufig aus einer reinen Auflistung von first world problems: „I went and got my car back / There’s a new noise this time.“

Noch lieber kotzt sich Korvette allerdings über Männlichkeit aus, wenn er auf dem Vorgänger Honeys im Song „Male Gaze“ die Objektivierung von Frauen als Sexobjekte nicht einfach kritisiert, sondern seine eigene Schuld eingesteht. Auch auf Why Love Now scheint männliche Sexualität nur durch eine Abstraktion von subjektiven Gefühlen möglich: „I’ve got love without emotion.“ Für die gemeinste Abrechnung mit männlichen Sexfantasien überlässt Korvette jedoch der Autorin Lindsay Hunter (Ugly Girls) die Bühne, die für „I’m A Man“ in die Rolle eines pussy grabbing Primaten schlüpft. Dessen innerer Monolog ist so widerlich, dass Pissed Jeans anschließend tatsächlich noch wütender und angepisster klingen als in der ersten Hälfte von Why Love Now.

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