Pins Wild Nights

Schöner hassen mit Pins.

Auch auf ihrem zweiten Album sind die Manchesterinnen noch viel zu cool für Kontrollverlust-Szenarien. Es sei geradezu kathartisch gewesen, den Text für »Too Little Too Late« zu schreiben, wird Sängerin Faith Holgate zwar in der Pressemitteilung zitiert, und sie habe die Worte ausgespien wie ein Vulkan heiße Lava.

Zum Zeitpunkt des Videodrehs für die erste Single scheint dieser Ausbruch allerdings unter Kontrolle und deutlich abgekühlt. Rosafarbene Zeitlupenbilder zeichnen die Geschichte der betrogenen und verlassenen Protagonistinnen weich, von alarmroten Wutexplosionen keine Spur. Was nicht weniger beunruhigt – hier ist offenbar Kalkül im Spiel. Holgates lakonischer Gesang – »I forgot to say Happy Birthday / I hope I didn’t spoil your party« – überlagert die Flüche der in Saint Laurent gekleideten Frauen mit den überlegenen Mienen. Auf jeden ausgestreckten Mittelfinger kommt mindestens eine Handvoll herumgepusteter Glitzerstaub.

Generell ist Wild Nights stolzer und zugleich gelassener geworden als das zwei Jahre alte Debütalbum. Klang Girls like us noch wie die Kampfansage einer Post-Punk-Straßengang, rufen die Chöre hier deutlich subtiler. Woher die Milde kommt? Angeblich spielte die kalifornische Wüstensonne eine nicht ganz unwesentliche Rolle. Geschrieben haben die vier Musikerinnen die Songs auf Wild Nights noch in Manchester, aufgenommen wurde das Album dann aber in einem Studio mit dem wohlklingenden Namen Rancho De La Luna im kleinen Örtchen Joshua Tree.

Nun trennt die ehemalige Arbeiterstadt in Nordengland und die wenig besiedelte kalifornische High Desert auch musikalisch mehr als ein Katzensprung, und genau darin liegt der Knackpunkt von Wild Nights. Die Band habe sich bei Queens-of-The-Stone-Age-Produzent Dave Catching ein bisschen Velvet-Underground-Sound gewünscht und ihn in Form von Noise-Gitarren bekommen, was sich vor allem im tollen Opener »Baby Bhangs« niederschlägt. Im darauffolgenden »Young Girls« untermalen Pins hingegen einen feinsäuberlich artikulierten Tagebucheintrag ums Träumen und Knutschen mit recht geradlinigem Indiepop.

Auch weil diese Teenieträume im nächsten Stück bereits wieder zum Teufel gejagt werden, ergibt Wild Nights ein etwas unstetes Gesamtbild und erweckt vielmehr den Eindruck eines alternierenden Dazwischen. Am besten stehen Pins eben doch die elegante Empörung und die Momente, in denen sie sich an der Selbstbezeichnung »Dark Pop« aufreiben und ihn anreichern, anstatt ihn zu süßlichen Gefälligkeiten zu verkleinern.

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