Pingpong mit der Tradition: Album-Prelistening Sven Kacirek »Songs From Okinawa«

Foto: Robin Hinsch

Als wir zuletzt von Sven Kacirek hörten, hatte sich der studierte Schlagzeuger Pjotr Iljitsch Tschaikowski vorgenommen. Mit The Nutcracker Sessions legte der Hamburger Ende des vergangenen Jahres seine Version der vertonten E.T.A.-Hoffmann-Erzählung vor. Für sein aktuelles Projekt Songs From Okinawa reiste Kacirek keine 125 Jahre in die Vergangenheit, aber dennoch weit weg. 

Sein nächstes Konzeptalbum wurzelt schon dem Titel nach in Japan – doch das ist nur die halbe Wahrheit. Für die zwölf neuen Stücke setzte sich der Perkussionist und Soundexperimentalist einmal mehr großzügig, aber keinesfalls erhaben über musikalische Traditionen und Hörgewohnheiten hinweg. So ist Songs From Okinawa eine im Nachgang von Kacirek sortierte Gemengelage aus in Okinawa eingefangenen Sounds von Instrumenten wie Marimba und Xylophon über zu Instrumenten gemachten Gegenständen  oder Dingen anderer Bestimmung wie Haarbürste oder gar Stein.

Alles klingt, wenn Kacirek einen Sound darin vermutet. »Mein Ziel bestand darin, der traditionellen japanischen Musik etwas Neues hinzuzufügen ohne den Geist der alten Songs zu vertreiben«, sagt er, und dass es ihm besonders die Schlichtheit der Musik Okinawas angetan habe. Auch das ist hörbar – vor allem in den beinah unhörbaren Momenten, in denen Materialien wie Papier oder Holz Geräusche, mehr noch quasi-elektronische Töne entlockt werden, die den ebenso bestimmten wie meditativen Gesang umtanzen.

Songs From Okinawa erscheint am 20. November via Pingipung. SPEX.de streamt das Album in voller Länge exklusiv vorab.

John McEntire & Schneider Kacirek live
16.11. Hamburg – Westwerk
21.11. Düsseldorf – FFT Theater.

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