Phosphorescent „C’est la vie“ / Review

Cover: Phosphorescent „C’est la vie“

Es scheint, als wüsste Phosphorescent, dass da etwas schief gelaufen ist auf seinem neuen Album, dessen Titel C’est la vie man auch als selbstironischen verstehen könnte. Er ist aber eher Indiz für das Problem: Phosphorescent will die großen Themen besingen, scheitert dabei aber an mangelnder Innovation.  

Auf bereits fünf Alben konnte Matthew Houck zurückblicken, als die Welt plötzlich zuhörte. Dabei war Muchacho von 2013 im Kern auch nur eine Fortführung der eher ins Hintertreffen geratenen Singer/Songwriter-Tradition, aufgepeppt mit etwas Bombast, von der drei Jahre nach Arcade Fires The Suburbs zahlreiche Modernisierungsversuche der Formel „Song erklärt Leben“ zehrten.

Auch C’est la vie steht nun ganz im Geiste der Lebensreflexion, wie bereits der Titel wenig subtil andeutet. Die Songs sind ähnlich straight forward: „Honey this world ain’t never fair / And hey there’s trouble everywhere / But I see your body lying there / I see the moonlight in your hair“, reimt Houck in „My Beautiful Boy“ arg angestrengt in Richtung seines neugeborenen Sohnes. Welche Emotionen er mit dieser direkten Beschreibung vermitteln will, versteht man sofort. Hauptsächlich, weil man sie auf diese Weise schon zu oft vermittelt bekommen hat. Auch die vielen Metaphern sind nicht viel inspirierter: „These rocks, they are heavy / Been carrying them around for days“. Repeat. Dieses Schulterzucken zieht sich durch das gesamte Album.

Schöner ist da der auf dieser Tatsache fußende Metakommentar im Titeltrack, der die Gleichgültigkeit akzeptiert, weil Houck sich ihr gegenüber aus Unverständnis auch gleichgültig verhält: „C’est la vie, she said / But I don’t know what that means / I say, alright then / C’est la vie“, heißt es da. Versucht C’est la vie hingegen, wie etwa im achtminütigen „Around The Horn“, diese Ratlosigkeit in kleine Epen zu verwandeln, strauchelt es zuverlässig. Denn das Fundament, auf dem sie stehen, ist dafür zu dünn. Besser gesellt sich zum Zucken der Schultern das Schwingen der Hüften: Trotz voller Instrumentierung von unnötigem Bombast befreit, erzählt die lebhafte Single „New Birth In New England“ von der ersten Begegnung mit Houcks heutiger Partnerin und schließlich der Geburt des gemeinsamen Sohnes. Es sind Momente der Klarheit. Die Gleichgültigkeit verflüchtigt sich, wenn in beiden Fällen die Frage gestellt wird: „Don’t I know you?“

Diese Albumkritik wird auch in SPEX No. 383 erscheinen. Das Heft ist ab dem 25. Oktober versandkostenfrei im Onlineshop bestellbar.

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