phon°noir The Objects Don´t Need Us

Knarzende Dielen, ratternde Bandmaschinen und tickende Uhren: die Musik, die vor vielen Jahren in Weilheim von Bands wie Lali Puna und The Notwist initiiert und Anfang 2007 von Secret Mommy auf »Plays« perfektioniert wurde, ist längst noch nicht ausgereizt. Auf seinem zweiten Album »The Objects Don’t Need Us« versucht sich auch der Berliner Musiker Matthias Grübel alias phon°noir am Spiel mit den Fragmenten und Schnittstellen.

    Grübel ist einer jener modernen, jungen Laptopmusiker, die ganz selbstverständlich field recordings, minimale Electronica, lullende Drones, Klavieranschläge, verzerrte E-Gitarren-Riffs und zaghaft gezupfte Violinen-Saiten mit Storytelling zusammendenken, um so einen eigenen Zugang zu Indietronica zu entwickeln. Gleichzeitig liegt die Gefahr dort, wo Wiederholung das Prinzip ist und man vorhersehbar wird. So verbraucht sich auch Grübels Konzept des mehr hingehauchten, heiseren und dadurch oft sehr brüchigen Gesangs auf Albumlänge. Bestimmt hätte »The Objects Don’t Need Us« an einigen Stellen der Rückgriff auf Pop-Elemente gut getan: den Gesangsstil variieren, das Tempo anziehen oder die Stimme gleich – wie es Grübel auch bei den Soundscapes tut – mit Effekten zu verfremden.

    Denn genau damit überzeugt seine auf der Bettkante produzierte Musik, durch die Variation einer Idee. Kein Stück gleicht in Struktur und Spannungsbogen dem anderen, alle Instrumente sind aus einer Unzahl an verschiedenen Klangerzeugern ausgewählt und passend arrangiert. Zusätzlich lässt Grübel immer wieder Raum für Überraschungen: durch das offene Zimmerfenster hört man Vogelzwitschern (»You Are The Eskimo«), in der Schublade klappert das Besteck (»We Still Miss The Future«), die analoge Stoppuhr zittert hektisch im Takt (»Gullholmen«).

    »The Objects Don’t Need Us« ist sicherlich eine der musikalisch abwechslungsreicheren Songwriter-Glitch-Platten des Jahres, die, hat man sich erst einmal auf ihre Kleinteiligkeit eingelassen, bald auch die Synapsen zum reagieren und die Papierhütte zum brennen bringt.

LABEL: Sub Rosa

VERTRIEB: Alive

VÖ: 09.11.2007

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