Phoenix Alphabetical

Als ihr Debütalbum »United« im Juni 2000 zur Platte des Monats in SPEX erklärt wurde, war dieses ein dich forderndes, kurzweiliges, gutgelauntes Album. Alles war wild – und dich dabei zähmend zugleich – ein Knäuel stilvoll ineinander verwobener Referenzen. Auf »United« stimmte alles. Die Typen hinter der Musik und ihre Verweise auf Disco, HipHop, Country, Pop und Rock, die selbst den musikalisch waghalsigsten Stunt nicht scheuten – einfach mal alles in einen 10-minütigen Monstersong zu packen z.B. Dieser »Funky Squaredance« ließ Menschen endgültig staunend mit offenen Mündern zurück. Kreisch.

Alsbald, im darauffolgenden Monat, aber selbst ein, zwei, drei, vier halbe Jahre später tauchte »United« immer noch an den naheliegendsten und unmöglichsten Orten auf. Menschen tanzten, sangen, zerschlugen Stühle, liebten und trennten sich zu dieser Musik für eine leichte Zeit. Phoenix waren Datarock und Indiepop, sie vereinten – ähnlich wie später Zoot Woman. Doch wo diese sich mittlerweile als streng einem Prinzip folgend zu erkennen gegeben haben, waren die eher nach Input gierenden Phoenix wilder Pop auf Beutezug. Und nun kommt endlich (die Sprache auf) ihr zweites Album – und wir alle kennen das leicht mulmige Gefühl: Wird es so sein wie noch beim ersten Mal? Natürlich nicht. Du legst »Alphabetical« ein und bist von der Single »Everything Is Everything« berauscht. Zu diesem Song muss der Frühling tanzen. Die weiteren neun Stücke fliegen zunächst an dir vorbei. Wo war die Divergenz, wo ist die Party? Sie ist der Überlegung gewichen, einen Ort aufzusuchen, an dem Phoenix bisher eben noch nicht gewesen sind. Stillstand und Befriedigung nach Maß war gestern. Das werden uns bald auch The Streets lehren. Phoenix haben einen neuen Sound in ihrem Vibe gefunden – R&B mit den Mitteln einer Rockband. Den R&B so hart spielen, wie Ringo Starr sein Schlagzeug – das war ihre Maxime. Doch hat »Alphabetical« natürlich immer noch diese »Too Young«-Leichtigkeit, diese todsicheren Sounds und Melodien, es ist eine kleine Sensation, die Version einer Popoberfläche, welche dich gleichsam in ein Reich aus träumerischer Sorglosigkeit und euphorischem Discoschick schickt. Die Fantasiewelt des glitzernden R&B – mit verträumt geschlossenen Augen, über die eine Haarsträhne fällt, gepaart mit den kreisenden Hüften sorgloser Menschen.

Mächtig romantisch, deutlich idealistisch, verteufelt klug – und wenn du erst einmal deine alles ständig mit allem vergleichen wollenden Bedenken über Bord geworfen und dir Zeit genommen hast – einfach: gottverdammt gut. Phoenix, im Sommer 2000 bei »A« gestartet, sind mittlerweile längst beim »O« des Pop angekommen. Der Songgott gnade unseren Fanherzen, wenn sie bis zum »Z« durchhalten.

LABEL: Labels

VERTRIEB: EMI

VÖ: 29.03.2004

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