Philip Jeck »Cardinal« / Review

Früher oder später stellen sich leichte Jenseits-Assoziationen ein. Ob man auf die Knie geht oder nicht, bleibt einem selbst überlassen.

Philip Jeck wählt eine gemächliche Gangart. Der für seine monumentalen Plattenspieler-Loops beliebte Klangkünstler erzeugt mit überschaubaren Mitteln eine barocke Fülle, gegen die sich die Exerzitien im Dschungel seines Landsmannes Anthony Child recht asketisch ausnehmen. Cardinal lässt diese klangliche Pracht, die aus einander überlagernden, von Jeck mit Effektpedalen bearbeiteten repetitiven Schichten besteht, wie sakrale Musik erscheinen. Das wird nicht nur im Albumtitel angedeutet, sondern auch in Stücken wie »Saint Pancras« oder »… Bends The Knee« mit ihren Anspielungen an Topoi der katholischen Konfession.

Versenkungsmusik also auch bei Philip Jeck, genauso kitschfrei und hintergrunduntauglich wie die von Child, wenngleich mit völlig anderer Wirkung. Es mögen die Orgelklänge sein, die Jecks Collagen immer wieder heraufbeschwören, mit ihren kathedralenhaft weiten Räumen, jedenfalls stellen sich früher oder später leichte Jenseits-Assoziationen ein. Was gar nichts Verkehrtes ist. Ob man auf die Knie geht oder nicht, bleibt einem schließlich selbst überlassen.

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