Pharrell Williams

Selbst als die Veröffentlichung ein ums andere Mal verschoben wurde, habe ich das Debüt des Bollerköpfchens mit Spannung erwartet. Schließlich war für musikalische Appetizer durch Mr. Williams´ zahlreiche Produktionen gesorgt: Gwen Stefanis »Hollaback Girl«, das galant die Idee des Faith No More-Refrains des gleichnamigen Tracks aus dem Jahre 1999 wiederverwertete: »Be agressive, please be aggressive, b.e.a.g.g.g.r.e.s.s.i.v.e.«

    Da klang »This shit is bananas … b.a.n.a.n.a.s.« irgendwie verdammt vertraut und trotzdem nicht weniger schmissig in den Ohren. Auch die Pro-Snoop-Produktion »Drop It Like It´s Hot« ließ, um es ungefähr mit Dendemann zu sagen, Mundwinkel hoch- und Kinnladen runterklappen. Die Messlatte lag also hoch, die erste Single »Can I Have It Like That« enttäuschte nicht, auch wenn dies hauptsächlich der sexy Intonation von Gwens »You got it like that« geschuldet war. Umso enttäuschender ist, dass auf »In My Mind« mit Ausnahme von »Angel« größtenteils Langeweile grassiert. Schmieriger R´n´B, den andere besser können, und ein wenig verbesserte Rapskills bei Mr. Williams unter dem Pseudonym Skateboard P. Während sich die internationalen Kritiker bislang zurückhalten, sind die blogs eindeutig: »Wow … this album sucks big time.« Man wird das Gefühl nicht los, dass Pharrell in einer Art self-fulfilling prophecy sein Schicksal bereits 2004 formulierte: »Als Produzent hat man mit seinem ganz eigenen Sound nur eine ganz bestimmte Zeitspanne zur Verfügung, in der dieser funktioniert, da mache ich mir nichts vor.« Die übliche Kombination aus harten Beats, satten Streichern und einer generellen Synthie-Keyboard-Obsession, die auf »In My Mind« vorherrscht, aber eben bar jeder Überraschung, scheint der Beweis dafür zu sein, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum seines Signature-Sounds knapp überschritten ist. Die zahlreichen Hilfsarbeiter Snoop, Gwen, Kanye, Nelly und Jay-Z helfen da ebenso wenig aus wie die krude Unterteilung in sieben Hiphop- und sieben R´n´B-Tracks. (»Das ist gut, denn vierzehn gibt ein Ganzes!« Äh, ja.)
Das unsägliche Video zu »Number One« besorgt dann den Rest. Neben sich räkelnden heißen Kätzchen und ein bisschen Skyline-Backdrop ist die Lieblingseinstellung diese: Pharrell steht vor einer überdimensionalen pastellfarbenen Rosenblüte und schwenkt in der rechten Hand eine Louis Vuitton-Signature-Tasche. Hin und her, hin und her. Zwischenzeitlich vollführt er so ungelenke Tanzbewegungen, als wäre er nicht einer der ausgemachten Kings der pop´n´stop moves gewesen, sondern – der unlängst verstorbene Rudi Carrell. Neues Gesicht für die kommende Louis Vuitton-Anzeigenkampagne ist übrigens kein anderer als Mr. Williams persönlich. Immerhin scheint er für die Zeit nach dem heißen Sound vorzusorgen.

LABEL: Virgin

VERTRIEB: EMI

VÖ: 27.07.2006

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