Petite Noir »La Vie Est Belle / Life Is Beautiful« / Review

Globale Hybrid-Popmusik, die ältere Semester sich in ihrer Jugend kaum hätten vorstellen können.

Yannick Ilunga alias Petite Noir ist ein 24-jähriger Musiker mit kongolesischen und angolanischen Wurzeln, der in Kapstadt lebt und dieser Tage sein Debütalbum La Vie Est Belle / Life Is Beautiful veröffentlicht. Darauf präsentiert er eine Art von globaler Hybrid-Popmusik, die ältere Semester sich in ihrer Jugend kaum hätten vorstellen können.

Damals bedienten sich afrikanische Künstler zwar natürlich schon westlicher Popklänge, doch schienen diese meist eher zur Hervorhebung nicht-westlicher, lokal beeinflusster Melodien, Rhythmen und Arten des Stimmvortrags genutzt zu werden – was in Europa manchmal auch zu einer klischeebehafteten Rezeption von Musik aus Afrika verleitete. Im Fall von Petite Noir hingegen untermauern süd- und westafrikanische Tanzrhythmen Synthesizer und Gitarrenlinien, die auf einem New-Order-Album nicht fehl am Platze wären, sowie Ilungas Stimme, deren düsterer Achtzigerschmelz nicht selten an Depeche-Mode-Sänger David Gahan sowie eine ganze Reihe von New-Romantic-Croonern erinnert.

Auch wenn Ilunga diesen Stil als new African aesthetic bezeichnet, besteht das Ergebnis doch in interessant entorteter Musik, die Ilunga wiederum »Noirwave« nennt und die voll schwellender Dynamik ist, eine Art Cyber-Sturm-und-Drang. So behauptet Ilunga, seine spirituelle Entwicklung spiegle sich in diesem Album besonders wider. Tatsächlich klang die Vorgänger-EP The King Of Anxiety noch rhythmusorientierter und rauer, gewissermaßen geerdeter. Nun jedoch, etwa im zweiten Stück »Best«, dominieren emotionale Ausbrüche und sphärischer Aufbau.

Die zweite Hälfte des Albums wendet sich verstärkt Fela-Kuti-inspirierten Afro-Funk-Grooves zu. Im für (mittel)deutsche Leser schön betitelten Stück »MDR« etwa, das in seiner Leichtigkeit so gar nicht an dröges öffentlich-rechtliches Fernsehen erinnert (überraschenderweise aber an einen Hit aus dem US-Musical Grease), scheint Kutis legendärer Schlagzeuger Tony Allen mitzuspielen, während ein toller Background-Chor zusammen mit Ilunga beschwingt und melancholisch zugleich die Liebe besingt – was den Gesamteindruck dieses Albums gut zusammenfasst.

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