Peter Gente (1936 – 2014)

Peter Gente   FOTO: Alex Quack
Peter Gente vor sieben Jahren   FOTO: Axel Quack / hactivist.tv (cc)

Peter Gente, einer der Gründer des Merve Verlags, dessen Verleger er die meiste Zeit über war, ist am Samstag gestorben.

Gemeinsam mit Merve Lowien, Rüdiger Möllering und Michael Kwiatkowski hatte Gente 1970 den Berliner Verlag gegründet. Die bei Merve veröffentlichten Werke formten eine Philosophie und Theorie von poetischer Qualität und zugleich großer Tragweite. Der Verlag bildete vor allem in den 1980ern die theoretische Flanke der alternativen Kunst und Musik bzw. des Punks. Da hatte er sich bereits unter Gentes Leitung vom Neomarxismus hin zu postmoderner Kunst- und Systemtheorie und zum Poststrukturalismus gewandt. Alle Cover der damals aus Kostengründen auf sehr schnell vergilbendem, billigen Papier gedruckten Titel zierte die von Jochen Stankowski entworfene Merve-Raute.

Während Peter Gente, 1936 geborener Sohn eines ehemaligen NSDAP-Mitglieds und Richters, in der 68er-Bewegung noch keine präsente Rolle übernommen hatte, prägte er so mit seiner Verlagsarbeit doch noch den (west-)deutschen Diskurs. »Gente war (…) anders als seine Freunde (zu denen auch Rudi Dutschke gehörte). Er war ein Einzelgänger, zu verklemmt und zu schüchtern, um sich in der Universität zu Wort zu melden«, beschrieb Kerstin Kohlenberg den Studenten Gente in einem der zahlreichen Porträts zum 40. Geburtstag des Verlags anno 2010. Zu diesem Zeitpunkt hatte Gente sich schon über drei Jahre aus dem operativen Geschäft zurückgezogen, weitere fünf Jahre nach dem Suizid seiner Lebensgefährtin Heidi Paris, die mit Gente zusammen den Verlag geleitet hatte.

»Die Erlöse würden noch etwa drei Jahre reichen, dann wäre er bald 81, das wäre genug und er würde sich aus dem Fenster stürzen, Selbstmord sei immer eine Option gewesen«, schreibt die Gente-Bekannte Sabine Vogel heute in der Berliner Zeitung. Aus dem Zusammentreffen der beiden zitiert sie den Verleger weiterhin: »Die Lücke, die wir hinterlassen, ersetzt uns vollkommen.«

Bei Merve erschien in Peter Gentes Zeit Gilles Deleuze und Félix Guattaris Rhizom neben Schriften von Cixous, Barthes, Baudrillard oder Negri. Blixa Bargeld veröffentlichte hier Titel wie Stimme frißt Feuer, Wolfgang Müller gab den Essay-Band (zur Bewegung rund um die gleichnamige Veranstaltung) Geniale Dilletanten heraus. Auch Rainald Goetz und Jean-Luc Godard, Martin Kippenberger und Westbam finden sich in dem unter der Leitung von Tom Lamberty beständig weiter anwachsenden Verlagskatalog.

Am vergangenen Samstag ist Peter Gente nun in seiner Wahlheimat Thailand, wo er zwischen zahlreichen Büchern und Platten in einem Hotel lebte, verstorben.

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