Peter Doherty „Hamburg Demonstrations“ / Review

Die Gitarren wirken weniger beschwipst als sonst, dafür ist sein Clash-Akzent geblieben: Pete(r) Doherty ist zurück. In Hamburg.

Peter Doherty ist längst kein Enfant terrible mehr, „Fuck Forever“ nicht länger sein Lebensmotto. Für die Produktion seines zweiten Soloalbums zog es ihn zwar nach Hamburg, doch allem Anschein nach hat er sich dort nicht von den Reizen dunkler Reeperbahn-Nebengassen ablenken lassen. Stattdessen konzentrierte sich der ewige Zuspätkommer in den vergangenen Jahren jenseits der Touristenmeilen im renommierten Clouds Hill Studio auf seine Arbeit, wo er offensichtlich vom Bestand rarer Verstärker und antiquierter Technikgerätschaft profitierte.

Während die Reunion der Libertines noch unschlüssig zwischen Exzess und Romantik oszilliert, wirken seine elf Hamburg Demonstrations nämlich entschlossen besinnlich. Und das, obwohl Doherty sich hier weniger spartanisch als auf seinem Solodebüt präsentiert. Neben schlichter Akustik und altbackener Mundharmonika bettet er erneut dezente Streicher in seine Chansons ein, testet aber auch Effektpedale und versucht sich subtil an Folk wie Country. Die Gitarren wirken weniger beschwipst als sonst, dafür ist sein Clash-Akzent geblieben, der sich in „Hell To Pay At The Gates Of Heaven“ auch den Pariser Terroranschlägen vergangenen Jahres annimmt. „Come on boys / Choose your weapons / J-45 or an AK-47“, skandiert er hier – ansonsten dominiert ein eher zurückhaltender Gestus. Chronischer Herzschmerz und die Boulevardisierung der eigenen Biographie plagen den zur Freiheit verdammten Libertin noch immer. „Only love can heal the sickness of celebrity“, heißt dafür die nahezu hoffnungsvolle Lektion, die er sich in „Birdcage“ quasi selbst erteilt.

Während die Reunion der Libertines noch unschlüssig zwischen Exzess und Romantik oszilliert, wirken Dohertys Hamburg Demonstrations entschlossen besinnlich.

Hamburg bedeutet für Doherty kein zweites Albion. Seine treuen Dämonen haben ihn zwar auch in die Hansestadt verfolgt, doch man hat ihn schon deutlich melodramatischer erlebt. Nur „Flags From The Old Regime“, eine berührende Hommage an Amy Winehouse, wühlt in alten Wunden und erzählt schonungslos von einer nicht enden wollenden Schlaflosigkeit. Früher zitierte Doherty gerne Gegen den Strich, Joris-Karl Huysmans’ symbolistischen Klassiker über Weltekel und Eskapismus. Nun distanziert er sich von tragischen Figuren aus der Literatur. Im Opener beteuert er: „I don´t want to end up like Kolly Kibber“ (die Figur stammt aus einem Roman von Graham Greene und stellt einen ehemaligen Gangster dar, der in Brighton umkommt). Für Doherty-Verhältnisse kann man solche Statements fast als lebensbejahend lesen.