Pete Rock NY’s Finest

New York hat, was den über die Stadtgrenzen hinausgehenden Stellenwert der aktiven Produzenten und MCs angeht, mehr als gelitten, keine Frage. Einst nur als ›das‹ Mekka des HipHop bekannt, kämpfen viele Rapper und DJs aus den fünf Stadtteilen mittlerweile fast verzweifelt um ihr früheres Standing. Dass dabei seit Jahren der Süden der USA mit seinen Crunk-Entwürfen den Ton angibt, merkt man spätestens beim Besuch in der hiesigen Dorfdisko.

    Pete Rock, dem Mann aus Mount Vernon, ist das egal. Zu groß war die Unterstützung aus Japan oder Europa im Laufe der letzten Jahre, als sich nach seinem letzten Album »Soul Suvivor II« aus dem Jahre 2004 die Raplandschaft immer mehr veränderte. Zumindest betont er auch auf »NY’s Finest« eher die eigenen Stärken als die Schwächen der vermeintlichen Gegner. Und seine Stärken liegen im Umgang mit dem, was HipHop in den Neunzigern durch seine Person so entscheidend prägte: die Beats, die Basslinien und die Samples. Kaum einer kann (bzw. konnte) so mit Bässen und Samples arbeiten wie er; dieser ureigene Stil zog eine Armada von Sound-Klonen hinter sich her, bei der auch die prominentesten Vertreter wie Kanye West oder die Neptunes zumindest einmal ›so klingen wollten‹. Er wird daher völlig zu Recht in einem Atemzug mit verdienten Produzenten und Künstlern wie DJ Premier, Jay Dee oder Lord Finesse genannt.

    Auf 15 Titeln schafft er es auch diesmal, ein stringentes, sich selbst treu bleibendes Klangbild zu entwerfen, das den schmalen Grat zwischen geforderter Innovation und benötigtem Traditionalismus knapp bewältigt. Anders hätte es allerdings auch nicht funktioniert. Und wenn er ruft, kommen immer noch viele: von alten Hasen wie Redman oder ChipFu (von den Fu-Schnickens) bis hin zu jüngeren Reimern wie Little Brother oder Papoose. Hin und wieder greift er auch selbst zum Mikrofon – was nicht die stärksten Momente des Albums ergibt, aber trotzdem aufgrund Pete’s abgehangener Art Kurzweil erzeugt – von den ewig drögen lyrischen Vergleichen mit Michael Jordan einmal abgesehen.

    Aber immer wieder ist es diese unnachahmliche Art, Samples zu arrangieren und Bässe zu setzen, die die Nackenmuskulatur in Bewegung bringt. Ob das jetzt mit Pro-Tools oder der guten alten MPC geschieht, ist zum Glück mittlerweile zweitrangig. Und wenn beim letzten Song »Comprehend« noch 10cc dekonstruiert werden, bleiben keine Fragen mehr offen. Ob dieses Album mit seiner Haltung New York wieder komplett zurück auf die Raplandkarte bringt, wird sich zeigen. Was bleibt, ist ein nicht zu unterschätzendes Machwerk, das im Klingeltonzeitalter zwar retrospektiv bis anachronistisch anmutet, die Neuerungen aber nicht komplett negiert.

LABEL: Nature Sounds

VERTRIEB: Groove Attack

VÖ: 14.03.2008

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