Petar Dundov

Es schneit. Das ist vielleicht das beste Setting, Petar Dundov zu hören: Sein Techno hüllt, ja lullt die Wahrnehmung ein. Und wenn man zu dem einen Track Ambient mit 4/4-Beat sagen möchte, einige andere Stücke Prä-Techno hofieren und diese Platte ebensowenig denkbar wäre ohne Chicago und Detroit – darauf kommt es nicht an. Petar Dundov baut mit »Escapements« eine Reizmaschine, wie sie schon vor der Erfindung der Elektrizität vorstellbar gewesen ist. Eine Ziegenzunge, die an Füßen leckt. Medizinmann beim Räuchern.

    Aus der schieren Anzahl der von »Escapements« verströmten Trigger ergibt sich schließlich eine angenehme Müdigkeit, die sich selbst als höchst artifiziell erkenntlich gibt und es gerade deshalb möglich macht, sich selbst den Alltag zu verfremden. Ich fahre Zug mit »Escapements«, nichts könnte weiter von mir entfernt sein als die Windparks da draußen. Die Sonne scheint und wirkt wie ihr eigener Pappmaché-Nachbau, Kulisse einer künstlich befriedeten Welt.

    Da wirkt es umso seltsamer, dass Petar Dundov fest in digitale Realitäten eingebunden ist. In seinem Neumatik-Studio in Zagreb entstehen neben den Techno-Tracks, die Tribalistisches wieder cool klingen lassen, auch Musiken für Spots bekannter Auto-Marken, ja sogar Computerspiel- und Web-Designs. Die vertwisteten Bleeps und Echos lässt Dundov von Gleichgesinnten remixen, so von Gavin Russom, Substance & Vainqueur oder Echospace. Ein Monster. Es windet sich aus der Zeit heraus.

LABEL: Music Man

VERTRIEB: Neuton

VÖ: 03.10.2008

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