Pet Shop Boys Back to Mine

Die After Hours-Compilationserie »Back To Mine« verweist nicht ohne Stolz darauf, dass dies die erste von den Pet Shop Boys selbst ausgewählte und veröffentlichte Musik-Zusammenstellung in ihrer 20-jährigen Karriere sei. Bei anderen Popbands vielleicht weniger überraschend, ist es bei Neil Tennant und Chris Lowe schon bemerkenswert, dass aus ihrer Leidenschaft für »DJ Culture« und »Nightlife« nie ein »Release« in dieser Richtung hervorgegangen ist.
Man kann sich bei den beiden Grand Seigneurs des Pop aber immer noch gut vorstellen, dass sie nach Oper-, Theater- oder Miss Kittin-Party-Besuch ihre Entourage noch auf ein Glas zu sich nach Hause bitten, und man stellt sich das gerne so ästhetisch vollendet und forever young vor wie im legendären Bruce Weber-Video zu »Being Boring«.

    Die beiden CDs wirken dann auch tatsächlich wie zwei sehr unterschiedliche Einladungen in die privaten Sphären von zwei, klar, sehr verschiedenen Menschen. Etwas, was man ja nicht über jede Autoren-Compilation sagen kann, sei sie nun den kontemplativen oder hedonistischen Momenten von Musik gewidmet. Von Neil Tennant wissen wir, dass er sich zu Hause für immer einen A-Moll-Akkord anhören könnte, deshalb sind wir wenig überrascht über die sophistication, die seine CD durchzieht. Beginnend mit »Traum«, einem Stück von Fairmont, dem Ambient-Projekt von Jake Fairley, führt uns Tennant durch die Gassen seines Visconti-Venedigs, begleitet von so erlesenem wie melancholischem Ambient, von erhabener elektronischer und klassischer Musik (Harold Budd, Biosphere, Dettinger, Vladimir Cosma, Barbirolli). Wir sitzen und liegen derweil in tiefen Sesseln, trinken feinnervigen Rotwein und alten Whiskey aus sehr großen Gläsern und warten, bis die Sonne durch die Fenster bricht.
Bei Chris zu Hause geht es natürlich ungleich ausgelassener zu. Mit den mates, mit denen es sonst samstags zu Arsenal nach Highbury geht, ein paar Paletten Bier und den richtigen Drogen wird hier ordentlich Party gemacht. Retro Electro-Disco Marke The Flirts »Passion«, Italo Pop-Trash wie Matia Bazars großartiges »Ti Sento«, erst mit Dusty Springfield (bei Neil: »Goin Back«, bei Chris: »I´d Rather Leave While I´m In Love«) reicht eine Party der anderen die Hand – und gemeinsam singen sie am Ende Freddys »The Show Must Go On«. Wie wahr.

LABEL: DMC

VERTRIEB: RTD

VÖ: 23.05.2005

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