Performance: Mein Mikro ist mein Zepter – Promi-DVDs

Der Promi. In ihm ist die alte Dualität Rock- vs. Popstar aufgehoben. Insofern ist Pete Doherty natürlich sehr modern. Weihnachten sei dank wird der Markt zur Zeit nur so überschüttet mit DVDs, in denen Celebrities auf der Bühne ihr Ding machen: Sich feiern lassen. Die Babyshambles also, dazu Queen, Nelly Furtado und die oh-so-campen Sparks.

BabyshamblesBitter enttäuscht bin ich ja von den Babyshambles live. Während die Libertines ja einige Spitzen-Songs haben, zeigt »Up The Shambles – Live In Manchester« lediglich die Schmierenkomödie »Ein Druffie zum Langweilen«. Dieses Konzert wurde im September 2004 in Manchester gefilmt, in dem Jahr also, in dem sich Pete Doherty von den Libertines trennte und die Babyshambles gründete. Ganz Celebrity, die er da schon ist, läuft der Sänger zu lauten »Pete! Pete!«-Rufen des Publikums in Trenchcoat, hochgeschlagenem Kragen und Dauerkippe im Dauermundwinkel auf die Bühne. Er hat sich vorher offenbar ganz gut was verabreicht und wirkt, als schliefe er da oben auf der Bühne. Wer auch immer aber diese DVD produziert hat, sah im Vollrausch des Sängers wohl leider ein Problem. Und so wurde das traummäßige Murmeln Dohertys ziemlich leise mitten in den Sound gemischt, statt offensiv laut über das Ganze gelegt. Schade. Die neue Platte soll dafür aber ganz gut sein.

Babyshambles – Up The Shambles. Live in Manchester
Label: Eagle Vision | Vertrieb: Edel | VÖ: 02.11.

QueenWie sportiv Freddie Mercury dagegen rüber kommt. Auf der geschätzt 87. Live-DVD von Queen gibt es den Mann mit der so flinken wie voluminösen Stimme noch einmal in Full Effect: »Queen Rock Montreal & Live Aid« zeigt diesen unter Spannung stehenden Körper auf 35-Millimeter-Film. Das macht auch Sinn, denn Mercury war ja doch kinoreif in seinen Posen des Herrischen, wenngleich ich auch in all dem Kinnrecken, den Gebotgebärden und Mein-Mikro-ist-mein-Zepter-Performen doch in erster Linie einen großen Klamauk erkennen möchte. Echt süß, wie der aus einer parsischen, also den Zoroastrismus praktizierenden stammenden Familie stammenden Mercury immer wieder still in sich hinein lächelt. Voll schön, »Killer Queen«, »Crazy Little Thing Called Love«, »Bohemian Rhapsody«, und all das 1981, also vor dem Einzug des Live-Keyboards bei Queen. Die amtlichen Soli von Brian May gehen mir natürlich ganz schön auf die Nerven, aber Freddie schauen ist der Kick.

Queen  – Queen Rock Montreal & Live Aid
Label: Eagle Vision | Vertrieb: Edel | VÖ: 26.10.

NellyFurtadoGroße Hoffnungen setzte ich ja auch in Nelly Furtados »Loose – The Concert«. Bin Fan von »Powerless« an, mag auch »Maneater«, konnte aber leider noch keines ihrer Konzerte sehen. Jetzt weiß ich, auch mit diesem Popstar bin ich in der Karaoke-Bar besser aufgehoben. Der Bühnenbau ist Friedrichstadtpalast für Arme, die Choreos hätten nicht mal die Pre-Castings der gängigen Formate geschafft. Und über dem schlimmen, schlimmen Muckersound klimpert ein Digital-Keyboard, das noch jeden Song kaputt kriegt. Natürlich ist es immer eher metaphorisch zu begreifen, wenn jemand, der so mit den Konventionen des Popsongs arbeitet wie Furtado die eigene Musik als »Punk Hop« bezeichnet. Aber sie selbst müsste das doch wenigstens Ernst nehmen. Warum braucht sie überhaupt eine Band? Nee, das ist Routine, bloße Routine, schaut Euch mal den Freddie an, Leute.

Nelly Furtado – Loose. The Concert
Label: Universal Music | Vertrieb: Universal Music | VÖ: 16.11
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SparksHaben die Sparks ihre Vorliebe für Falsetto-Power-Gesangsarrangements eigentlich von Queen oder umgekehrt? Beide Gruppen gingen ja 1970 zum ersten Mal auf die Bühne, und die Ähnlichkeit der Chöre ist schon ziemlich frappierend. Ansonsten aber spielten ja die Mael-Brüder Ron und Russell immer Pop statt Rock, nach den ersten zwei, drei Jahren zumindest, und das auch noch mit mehr Selbstreflexion, als Mercury das je bei seinen Bühnengott-Inkarnationen praktizierte. Auf »Dee Vee Dee – Sparks At The London Forum« sind die Sparks zu sehen, wie sie im September 2006 ihr 20. Album »Hello Young Lovers« aufführen und dabei ganz auf den Glamour der Eleganz setzen. Sparsam wird selbst das Schwülstige instrumentiert, Unterhaltung verschafft zudem ein interaktiv bespielter Bildschirm inmitten der Bühne. Die kleine Live-Band spielt auf der Seite, damit immer klar ist, was im Mittelpunkt steht. »It's A Spark Show Tonite.« Dann folgen die Hits.

Sparks – Dee Vee Dee. Sparks At The London Forum
Label: Liberation | Vertrieb: RTD | VÖ: 07.12.

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