Pelican

Den Ausgangspunkt dieser Kritik soll die in der Pressemitteilung getroffene Aussage bilden, dass »City Of Echoes« keine Weiterentwicklung darstellt, sondern einen Reifeprozess offenbart. Damit wäre ironischerweise auch die Crux des Postrocks auf den Punkt gebracht. Jenes Genre brilliert zwar stets durch eine spieltechnische Virtuosität, vergisst aber in der Regel seine instrumentalen Kopfnüsse mit unvorhersehbaren Entwicklungen und spannenden Strategien zu lösen. Bands wie Godspeed You! Black Emperor, Mono oder Mogwai erforschen nach wie vor die Wechselwirkung von lauten und leisen Dynamiken, während zum Beispiel Don Caballero ihre ausgeklügelten instrumentalen Intermezzi in steriler Präzision darbieten, die jeglicher Spontaneität beraubt wurde. Pelican leiden unter ähnlichen Symptomen. Ihre Musik ist zwar stich- und nagelfest, weist aber dennoch mit zunehmender Laufzeit starke Mängel auf: Hat man die ersten drei Stücke gehört, ist es kinderleicht vorherzusehen, wie der Rest der Platte klingen wird; nämlich so wie eine Variation jener ersten drei Tracks. Da hilft auch nicht die Komposition »Winds With Hands« weiter, die ausschließlich auf der akustischen Gitarre gespielt wurde und in ihren staubigen Akkordprogressionen an die Tradition der American Primitive Guitar School denken lässt. Es wäre unfair zu behaupten, dass Pelican sich keine Mühe geben mit dem was sie tun: Das Zusammenspiel der Musiker ist perfekt, die Gitarren verlieren sich in schimmernden Texturen aus schönen melancholischen Klangmustern, können aber auch mit monolithischen Riffstrukturen aufwarten, die von einer sicheren Rhythmussektion kraftvoll gestützt werden. Trotz ihrer spielerischen Fähigkeiten, fehlt dem aus Chicago stammenden Quintett dennoch eine vitale Experimentierfreude, wie sie bei ihren Brüdern im Geiste vorzufinden ist, die Aaron Turner, Chef von Hydra Head, unter dem idiotischen Begriff »Thinking Men’s Metal« versammelt. Pelican beschwören aber weder die Kräfte des Heavy Metals noch verirren sie sich in packende Postrock-Epen. Sie sind lediglich eine solide Rockband, mit einem bescheidenen neuen Album.

LABEL: Hydra Head

VERTRIEB: Import

VÖ: 11.06.2007

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