Pavement

Weihnachtszeit, Backkatalog-Zeit. So auch im Hause Domino, wo man mit einer erweiterten Version des Pavement-Albums »Brighten the Corners« unter die Bäume drängelt. Der Klassiker wird als Doppel-CD aufbereitet, kommt im »embossed slipcase« und sogar ein »62-page perfect-bound book« soll dabei sein. Grundlage dieser Rezension ist allerdings nur eine gekürzte und schlicht »Disc Two« betitelte Zusammenstellung aus B-Seiten, Radiosessions und »previously unreleased« Kellertapes. Sind die Liner Notes erhellend? Gibt es solche überhaupt? Keine Ahnung. Gehen wir aber, wie stets, vom Besten aus.

    Fest steht: Mit »Brighten the Corners« war die Band um Slacker-Ikone Stephen Malkmus längst auf dem Weg zur Ewigkeit. Mit diesem vorletzten von insgesamt fünf Alben begannen Pavement ihren Sound deutlich zu verfeinern, was nach dem krachig-experimentellen »Wowee Zowee« eine recht einschneidende Maßnahme war. Sie nahmen gewissermaßen Anlauf für ihren letzten großen Sprung: Das von Nigel Godrich produzierte »Terror Twilight«, auf dem Malkmus’ Songwriting und sein charakteristischer Gitarrensound zu etwas Magischem verwachsen, gilt nach wie vor als eine der endgültigsten Indierock-Definitionen der neunziger Jahre. Deshalb schön: Der Song »The Hexx«, jenes teils leichtfüßig hopsende, teils qualvoll schleppende Schlussstück auf »Terror Twilight«, ist auf der »Brighten the Corners«-Deluxe Edition in einer wunderbar schroffen Version namens »Then (The Hexx)« enthalten. Die Gitarren sind noch tiefer gestimmt, Malkmus’ Stimme überschlägt sich, und die ohnehin schon gruseligen Lyrics hat er noch nie gespenstischer serviert. Zehn Tracks später kommt mit »Neil Hagerty Meets Jon Spencer in a Non-Alcoholic Bar« ein bisher unveröffentlichter Mitschnitt von Pavements Besuch bei »Morning Becomes Eclectic«, jener beliebten Show der kalifornischen Radiostation KCRW, die seit über dreißig Jahren gesendet wird. Nicht nur der Titel des Songs ist famos, sondern auch wie jäh Malkmus hier seinen Gesang bis auf die nackte Punkwurzel entkleidet. Ähnliches darf man bei den ebenfalls unveröffentlichten Nummern »Space Ghost Theme I« und »Space Ghost Theme II« erleben, zwei herrlich durchgeknallte Versionen eines ohnehin schon verrückten Songs. Was noch?

    Laut der Tracklist der Domino-Webseite wäre auf »Disc One« auch der Song »And Then …«, der seinerzeit als B-Seite der »Spit on a Stranger«-Single veröffentlicht wurde, in einer über siebenminütigen Version zu finden. Schade, das will man doch hören! Weiterhin gibt es B-Seiten, Samplerbeiträge aus den Jahren 1997 bis 1999, BBC-Sessions bei John Peel und mehrere Live-Versionen der Stücke des Originalalbums. Das übliche also, aber davon ziemlich viel, weshalb man getrost sagen kann: Es gibt weitaus schlechtere Geschenke.

LABEL: Domino Recording Co

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 05.12.2008

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