Pascal Parisot / Fredda

Pascal Parisot ist Multiinstrumentalist, französischer Chansonnier und ganz offensichtlich geschmackssicherer Connaisseur einer bunten Vielfalt an Bossa-, Rumba-, Exotica- und selbstverständlich Chansonspezialitäten. Das dritte Album des gern krawattierten Charmeurs und ehemaligen Barpianisten versammelt eine Handvoll hybrider Songwriterspezereien, die all das musikalische Geheimwissen plattensammelnder Auskennerei offenbaren.

    Vibra- und Xylophon, melodramatische Streicherstakkati, pausbackige Bläser, schrilles Exotica-Geflöte, Banjos und allerlei perkussive Extravaganzen wie beispielweise angespacete Reggaerhythmen betupfen die Wall of Kammersound mit bunten Klangfarben, ohne je aus dem selbstgewählten Korsett auszubrechen, das da heißt: cleverer Chanson-Pop. Für wen das Wort »nett« keinem ästhetischen Todesurteil gleichkommt, der wird hier wie schon beim zu Jahresbeginn erschienenen Album Vincent Delerms (»Les piqûres d´araignée« – ebenfalls Le Pop Musik) bestens bedient. Mir persönlich ist bei Parisots unangestrengtem eklektizistischem Parcours durch die Musikgeschichte, auf dessen Wegweisern eher ›easy‹ als ›Listening‹ steht, eine Prise zu viel Dauerironie und auf Autopilot gestellter Augenzwinkerei im Spiel.

    Es ist auch diese Noli-me-tangere-Distanz, welche das Mittel der Ironie zu einem Strategem der Ferne macht, die ihm zusammen mit seinem tiefen, sanften, leicht angenäselten Timbre Vergleiche mit dem noch in seiner Wärme so kalten und von Ennui durchsetzten Gesang Serge Gainsbourgs in den späten fünfziger und gesamten sechziger Jahren eingetragen hat. Tatsächlich fühlt man sich bei Stücken wie »Allons z´enfants« oder dem Walzer-Pop von »Puisque c´est comme ça« an einen Gainsbourg-Karaoke-Wettbewerb erinnert – den Parisot durchaus mit Abstand vor dem überbewerteten hobbyexistenzialistischen Schönling Benjamin Biolay gewönne. Dass solche Gainsbourg-Vergleiche selbstverständlich zu hoch gegriffen sind, wertet Parisots erstes Album auf einem französischen Indielabel – Traffix Music – keineswegs ab.

FreddaParisots Freundin heißt Frédérique Dastrevigne, zupft passioniert Banjo und legt unter dem nom de guerre Fredda zeitgleich mit »Clap! Clap!« ein von Parisot satt arrangiertes Debütalbum vor, das dessen eigene Stücke mit zehn sonnigen Popsongs in den Schatten stellt. Immer wieder wird hier in einer an Saint Etienne erinnernden Weise kinematografische Weite aufs tanzbare Juke-Box-Format heruntergekocht, sagen herrlich flirrende Streicher, wie man sie seit Gainsbourgs »Histoire de Melody Nelson« lang nicht hörte, ihr Hallo zu schwelgerischem Uptempo-Pop, an dessen Schneidigkeit des öfteren eine Prise Sixties-Beat beteiligt ist. Das Tolle daran ist, dass es sich bei Fredda endlich zur Abwechslung einmal nicht um eine jener im Nachbarland unterirdisch hergestellten weidwunden Säuselchanteusen handelt, die auf Zuruf fragile und blassgeschminkte Kantilenen der Verlorenheit und Sehnsucht darbieten. Nicht, dass die nicht ihren Reiz haben, doch wie beim sogenannten TripHop hat die Masse ähnlicher Soundbilder zu gewissen Ermüdungserscheinungen geführt. Da tut Freddas mit kräftiger Stimme präsentierter, leicht durchgeknallter Girl-Pop, der immer charmant, nie langweilig und mit 30 Minuten auch rechtzeitig zu Ende ist, sehr wohl.

LABEL: Le Pop Musik

VERTRIEB: Groove Attack

VÖ: 07.09.2007

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