Parkay Quarts Content Nausea

Viel Referenzkram, viel Kluges, kaum Kohärenz und sehr viel Beknacktes: Parkay Quarts veröffentlichen mit Content Nausea eine 4-Track-Recorder-Schnellschussplatte.

Fast alles, was Andrew Savage macht oder sagt, ist Zitat oder zitierfähig. Interviews mit ihm werden zu Monologen, wenn es darum geht, ob seine Band Parquet Courts als Update des 90-Grad-Winkel-Rock der Strokes gedacht ist oder als Gruppe von serious artists, die auf lasting contributions und so was abzielen. (Auflösung am Ende dieses Textes.) Ihre Songs befinden sich im gefühlten Austausch mit jedem Menschen, der schon mal einen Gitarrenkoffer durch New York geschleppt hat, und wenn Savage auf der Bühne steht, sagt er zwischen den Stücken manchmal Sachen, die früher schon Townes van Zandt zwischen seinen Stücken gesagt hat. Wäre die Musik von Parquet Courts also ein Stück Onlinejournalismus, würde sie aussehen wie einer dieser nervtötenden Artikel, bei denen man vor lauter Links gar nicht weiß, wo man zuerst hinklicken soll.

Sechs Monate nach dem Durchbruchsalbum Sunbathing Animal gibt es nun Parkay Quarts und Content Nausea, was die Sache nicht einfacher macht. Savage und Gitarrist Austin Brown überbrücken damit die Bandpausen von Bassist Sean Yeaton (Familiengründung, herzlichen Glückwunsch!) und Schlagzeuger Max Savage (Mathematikstudium, herzlichen Glückwunsch!), unterstützt werden sie von befreundeten Saxofonisten und Fiedlern. Unter diesen Bedingungen ist eine 4-Track-Recorder-Schnellschussplatte entstanden, die Parquet Courts’ eigentlich längst unter den Tisch gekehrtes Chaosdebüt American Specialties (2011) wieder hervorzaubert und im nächsten Schritt noch einige Jahrzehnte weiter zurückgreift. Zwischen hoppeligen Schlagzeugpassagen, gekonnt ungelenken Gitarrensoli, wortreichem Sprechgesang und ordentlich durchnummerierten Drummachine-Interludes wird der Blick gelegentlich freigegeben auf die schöneren Einträge im Great American Songbook.

Es gibt zum Beispiel »The Nap«, ein Roadmovie Richtung Süden, in dem »slide machines« die Knochen von der Straße kehren, damit der Erzähler zu seiner Freundin durchkommt, sehr romantisch. The Velvet Underground hätten das genau so schreiben können und dann »Walk Walk Walk« genannt. Noch idiotensicherer ist nur die Interpretation von »These Boots Are Made For Walking«, die in ein Schmerzensfinale übergeht, mit dem sich Parkay Quarts für ihre eigene Schnapsidee zu bestrafen scheinen. Sonst noch: Psycho-Synth-Zeug aus dem Hoheitsgebiet von Suicide, der Song »Insufferable«, den Sonic Youth genau andersrum abgemischt hätten (Gitarre lauter, Gesang leiser) und »Uncast Shadow Of A Southern Myth«, ein 700-Seiten-Roman von einem Song, den es doppelt so schnell schon mal bei Andrew Savages alter Band Teenage Cool Kids gab. Viel Referenzkram also, viel Kluges, kaum Kohärenz und sehr viel Beknacktes. 100 Prozent aller anderen Rockbands würden sich vor Freude natürlich den Arm abhacken, wenn Content Nausea ihr erstes Album des Jahres wäre.

(Auflösung der Eingangsfrage: Beides, deshalb sind sie ja so geil.)

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