Panda Bear Panda Bear Meets The Grim Reaper

Auch mal albern und unbeherrscht: Panda Bear geht es auf  Panda Bear Meets The Grim Reaper nur noch am Rande darum, die größtmögliche Poesie zu erzeugen.

Wenige Acts stehen so sehr im Ruf, Katalysatoren des Zeitgeists zu sein, wie Animal Collective und die Soloprojekte ihrer Mitglieder Noah Lennox (Panda Bear) und Dave Portner (Avey Tare). Ihre altertümlich anmutende Verschrobenheit, die Liebe zur Natur und ihr psychedelischer Folk machen die Band aus Baltimore zum Symbol der Verweigerung einer konsumistischen, gleichförmigen und gedankenlosen Lebensweise. Seit den 2007er Alben Strawberry Jam (Animal Collective) und Person Pitch (Panda Bear) gelten sie als Vorläufer des Chillwave-Phänomens. Diese Musik verbreitet eine ausgeblichene, spätsommerliche Stimmung, die Songs werden durch alle vorstellbaren Effekte gebrochen. Statt ein Hier und Jetzt zu behaupten, scheinen sie wie Lieblingslieder eines imaginierten Damals in der Erinnerung herumzugeistern

Zum Teil kannten sich die Mitglieder von Animal Collective schon als Kinder, und eine kindliche Unmittelbarkeit ist in ihrem Tun bis heute spürbar. Als Jugendliche spielten sie Songs von Pavement und The Cure und schickten ihre Gitarren durch Echoschleifen, um experimentelle Musik in der Art von Can oder Silver Apples nachzuahmen. Diese Polarität zwischen greifbarem Pop und entrückter, analoger Psychedelik strukturiert bis heute fast alle Animal-Collective-Projekte. Die Musik ist introvertiert, eher den Klängen und dem eigenen Innenleben zugewandt als den Hörern. Wo fast alle Popmusik Gegenwart und Unmittelbarkeit erzeugen will, werden ihre Songs durch komplexe Schichten von Rauschen überlagert. Mal tönen die Lieder wie durch eine Brandung, mal wirkt es, als laufe die Musik im Nebenzimmer

Greifbar bleiben die Songs durch das vergleichsweise konventionelle Songwriting, das Ansätze relativ mainstreamiger Acts wie Simon & Garfunkel aufnimmt. Bei Panda Bear stehen besonders die Beach Boys und Brian Wilson Pate. Wilson und Lennox teilen mehr als eine Vorliebe für bestimmte Tonfolgen und Harmoniewechsel. Wie bei Wilson bricht bei Panda Bear süßlicher, harmoniegetränkter Pop in psychedelische Vertracktheit um. Außerdem haben beide einen Hang zu sakraler Musik. Panda Bear erklärte dazu in einem Interview, dass der so oft gemachte Vergleich mit Wilson ihm das Gefühl verschaffe, nicht intensiv genug an seiner Musik zu arbeiten. Die Aussage überrascht, denn ohne das augenblickliche Gefühl von Vertrautheit, das die Panda-Bear-Songs auslösen, ist die Musik kaum vorstellbar. Man meint, die Melodie, die einem durch Hall und Echos entgegenweht, schon lange zu kennen. So wird die Brechung durch Störgeräusche überhaupt erst möglich. Die Pointe von Panda Bears Psychedelik liegt darin, dass er kaum eigene Klänge erzeugt, sondern mit Effekten arbeitet und so den Klangraum manipuliert. So vermag er eine Beziehung zu einem Popkosmos in der Art von Wilson aufrecht zu erhalten und dabei doch Ferne und Distanz mitzudenken

Auf seinem jüngsten Album ist dieser Bruch nicht mehr so klar gesetzt. Es geht nicht mehr darum, im Kontrast von Noise und Song die größtmögliche Poesie zu erzeugen. Panda Bear Meets The Grim Reaper hat auch nicht mehr die spätsommerliche Verträumtheit und die sakrale Entrücktheit früherer Alben. Ein scheppernder Drumcomputer zieht durch die Stücke, die auch mal albern und unbeherrscht sein können. Sie handeln nicht von Tagen am Strand, sondern werfen einen beschaulichen, menschenfreundlichen Blick auf den Alltag im Kollektiv.

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