Palmbomen II „Memories Of Cindy“ / Review

Ein großer House-Wurf in jeder Hinsicht: Der in analoge Maschinen verliebte Kai Hugo hat seinen verschepperten, Acid-affinen Sound für Memories Of Cindy noch einmal verfeinert.

Wer ist Cindy? Etwa Cindy Savalas? Und wer ist die eigentlich? Dieser Person jedenfalls hatte der niederländische Produzent Kai Hugo alias Palmbomen II schon auf seinem unbetitelten Album von 2015 einen Track gewidmet, im begleitenden Video war „sie“ sogar zu sehen und gab sich als Alien zu erkennen. Jetzt folgt ein ganzes Album voller Memories Of Cindy. Und was für eins! 22 Titel, anderthalb Stunden Laufzeit. Ob man die Platte in Einzelportionen oder am Stück hört, ist dabei nicht entscheidend. Denn mit Memories Of Cindy gelingt Hugo ein großer House-Wurf in jeder Hinsicht. Der in analoge Maschinen verliebte Musiker hat den verschepperten, Acid-affinen Sound seines auch schon famosen Palmbomen-II-Albums für dieses Vorhaben noch einmal verfeinert. Er bewährt sich vor allem im Auskosten der Vielfalt melancholischer Stimmungen.

Bei aller gespenstischen Trauerarbeit kann ER es aber auch krachen lassen.

Da sind nicht nur über die Platte verteilte Frauenstimmen, die wie wehmütige Erinnerungen vorbeihuschen, oder die sanft klingelnde Klangfarbenpalette, die Hugo bevorzugt einsetzt. Memories Of Cindy lebt auch von leitmotivischen Produktionsdetails wie den wiederkehrenden Verfremdungen, die an eiernde Kassettenrekorder erinnern. Bei Hugos starker Neigung zu altem Gerät kann nicht ausgeschlossen werden, dass diese Effekte „handgemacht“ sind.

Bei aller gespenstischen Trauerarbeit kann der Produzent es aber auch krachen lassen. Ein Track wie „IAO Industries“ ist perfekter Rumpel-House mit atonalen Patterns und wunderbar dumpfem Synthie-Bass, der einen schon beim bewegungslosen Zuhören in Ekstase versetzt. „Dancing & Crying“ eben, wie es ein anderer Titel auf dem Album elegant zusammenfasst. Die vielen Verzweigungen dieses musikalischen Nachrufs schließlich bündelt der in Los Angeles lebende Hugo mit seinem Sinn für atypische Melodien. Spuk, Sehnsucht und sexiness – bei ihm gehen sie eine natürliche Verbindung ein.

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