Palma Violets Danger In The Club

Die Rettung des britischen Indierock? Sicher nicht. Aber Palma Violets liefern mit Danger In The Club immerhin eine solide Mitsing-Platte. 

Für einen Song über vier Minuten Spielzeit muss man gute Gründe haben. So steht es im Lehrbuch des Rock’n’Roll geschrieben. Palma Violets lieben Rock’n’Roll, und sie halten sich auf ihrem zweiten Album gerne an diese Weisheit. Die vier Jungs aus London ziehen Danger In The Club schön zügig durch, 13 Songs in 40 Minuten. Einige Male scheinen sie aber auch gute Gründe gehabt zu haben – mit »Peter And The Gun« reißen sie sogar die Fünfminutenmarke –, nur welche Gründe das sind, ist nicht immer ganz nachvollziehbar.

Stücke wie »The Jacket Song« (2:58) oder »English Tongue« (3:28) bestechen durch ihre Klarheit. Vor allem, wenn die Melodien sich gegen die etwas einfallslosen Stadionchorgesänge durchsetzen, hört man sich das gerne an. Bei »Comig Over To My Place« (4:12) allerdings schüren die Strophen Erwartungen, die der Refrain leider nicht erfüllen kann. Zu oft hantiert die Band mit vielen, nicht ganz ausgereiften Ideen, die ruckzuck zusammen in einen Song gepackt werden. So etwa im Titelstück »Danger In The Club«: Palma Violets stolpern mit verschludertem Gesang und Schaum auf den Lippen durch ungefähr fünf Harmonie- und drei Rhythmuswechsel, die Hörer werden stellenweise von einer Mundharmonika geleitet, dann wieder von einem feiernden Chor begleitet – und ins Klangchaos gestürzt. Die Bandbreite, die die vier Musiker bieten, ist groß, macht es aber auch schwer, so etwas wie eine eigenständige Marke Palma Violets zu erkennen.

Schon vor ihrem Debütalbum 180 im Jahr 2013 war der Band vom NME vorausgesagt worden, sie würde (wahlweise: endlich / zum x-ten Mal) den britischen Indierock retten. Wie steht es jetzt um diese Rettung? Kurz und knapp: Palma Violets sind nicht die Libertines, ihnen ist auch 2015 keine Sensation gelungen. Sicher ist aber auch: Live bringen sie die Clubs bestimmt wieder zum Kochen. Und zum Mitsingen reicht es schon, wenn man die Platte einmal gehört hat.

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