Palberta „Roach Goin’ Down“ / Review

Auf ihrem zweiten Album sind Palberta keineswegs so hibbelig wie etwa Half Japanese, mit denen sie gerne verglichen werden, sondern eher so experimentierfreudig und wagemutig wie The Raincoats oder The Slits.

Es heißt ja, dass der perfekte Popsong drei Minuten lang sein sollte – vergessen Sie diese Weisheit, denn das Trio Palberta aus Brooklyn erreicht in siebzig Sekunden mehr als manches Hitschmieden-Produkt. Und vergessen Sie auch den „perfekten Popsong“: Ani Ivry-Block, Lily Konigsberg und Nina Ryser haben zu viele Ideen, um eine einzige davon unnötig auszuwalzen oder mit dem üblichen Aufbau aus Strophe, Refrain und Break zu domestizieren. „Sound Of The Beat“ von Palbertas zweitem Album ist ein prima Beispiel dafür, wie man in kürzester Zeit einen groovy Wurm im Ohr hat – und zack, vorbei, next please! Oder „Fake Out“: Eigentlich ein verträumter, melodiöser Popsong mit sich umeinander windenden Stimmen, der mit punkigem Gerumpel umstandslos gestoppt wird. Der Hang zur knappen Skizze hat Methode bei Palberta, die schon auf ihrem Debüt Bye Bye Berta 20 Songs unterbrachten und nun sogar 22 auf Roach Goin’ Down quetschen. Dabei sind die Musikerinnen keineswegs so hibbelig wie etwa Half Japanese, mit denen sie gerne verglichen werden, sondern eher so experimentierfreudig und wagemutig wie The Raincoats, The Slits oder Kleenex/LiLiput.

Zack, vorbei, next please!

Palberta gehen durchaus als New- und No-Wave-Erbinnen durch, sind aber keine Nostalgikerinnen; Rock, Kuhglocken-Disco, Soul (Al Green!) und Hip-Hop mögen sie genauso gern wie Postpunk. Ihre instrumentelle Minimalausstattung aus Bass, Schlagzeug, Gitarre und neuerdings Saxofon wechseln die drei untereinander durch, bei ihren legendären Liveauftritten auch gern innerhalb eines Songs: Das führt zu Dissonanzen, Brüchen, Neustarts und ungeahnten Flows, worüber sich Konigsberg, Ryser und Ivry-Block scheckig lachen – und ihr Gekicher ins Stück integrieren. Dass Palberta über ihren konventionsbefreiten musikalischen Ansatz hinaus auch noch alle Gendergrenzen ignorieren („she’s a rich boy“) macht es quasi unmöglich, sie nicht toll zu finden.

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