Ought „Room Inside The World“ / Review

Ought sind auch auf ihrem dritten Album besser als die meisten Rockbands. Das wird auf Room Inside The World aber stellenweise zum Problem: Je besser das Songwriting der Band wird, desto mehr verliert sie ihre alte Magie.

Room Inside The World ist eines der besten Rockalben des bisherigen Jahres. Das sagt jedoch mehr über den Zustand des (männlichen Teils) des Genres aus als über Ought und ihre dritte Platte. Denn streng genommen wird die Band aus Montreal mit jedem Album ein kleines Stück gewöhnlicher. Auf hohem Niveau, versteht sich: Auch Room Inside The World begeht das steinige Gitarrenterrain weit weniger grobmotorisch als ein Gros seiner Konkurrenz und zieht sich selbst bei schwierigeren Übungen wie der Eighties-Plastik-Pop-Single „These 3 Things“ keine künstlerischen Ermüdungsbrüche zu. Das ist schon mal eine Leistung – zumal auch die Texte weiterhin stimmen. „Demarcation wears me thin / Demarcation does me in“, säuselt Tim Darcy etwa im starken „Disgraced In America“. Ja, verdammt, zur Hölle mit dieser Abgrenzung! Alles gut also drüben am Mont Royal.

Future Islands mit Ivy-League-Abschluss.

Dennoch ist Room Inside The World so etwas wie ein Gegenentwurf zu More Than Any Other Day und Sun Coming Down, den beiden herausragenden ersten Alben, auf denen es Ought gelang, unnötig komplizierte Musik ganz einfach klingen zu lassen und mit vermeintlich simplen Zeilen die großen Dinge des Lebens anzugehen. Auf Room Inside The World sucht man Darcys unvergessene Spinnereien über fettarme und unbehandelte Milch vergebens und findet stattdessen eine neue Klarheit, die zugleich Weiterentwicklung ist. Ought schreiben jetzt richtige Songs – mit Pausen an den richtigen Stellen, keinem einzigen Distortion-Pedal zu viel vor den Füßen sowie Fokus auf Darcys Heulbojengesang – und klingen streckenweise wie Future Islands mit Ivy-League-Abschluss. Das kann man natürlich gut finden. Paradox ist es trotzdem. Je besser das Songwriting der Band wird, desto mehr verliert sie ihre alte Magie. Man hat es eben nicht leicht als Gitarrenmann.

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