Otto von Schirach

Otto von Schirach gilt als einer der extremsten Produzenten in der Szene der elektronischen Musik – mit Patric Catani oder Venetian Snares gehört er zu den Innovatoren des Breakcore-Genres. In allen vorstellbaren, nicht endenden Überschreitungsgesten führt diese Musik einen ständigen Krieg gegen die Verspießung der Clubkultur im Speziellen und gegen den medialen Mainstream im Allgemeinen. Wo es zumindest in der elektronischen Clubmusik darum geht, ein über Stunden entwickeltes Fließen zu erzeugen, arbeiten diese Musiker Brüche und Gegensätze heraus.

    Schirachs Spezialität liegt darin, einen ganzen Strauß von Musikstilen zu verwurschten, der alle Breakbeat-Stile von Hiphop bis Hardcore umfasst. Diese werden mit Vocal-Samples aus Horror- und Pornofilmen zu Songcollagen verarbeitet. Auf dem neuen Album ändert sich nichts an der Gesamtprogrammatik, die Stücke werden aber zugänglicher: Früher schien sich in einer Nummer kein einziges Pattern wiederholen zu dürfen, die Tracks wirkten kryptisch und introvertiert. Die neuen Stücke klingen sehr präsent, man wird sofort Teil des Wahnsinns.

    Auf »Oozing Bass Spasm« treibt von Schirach besonders seine Auseinandersetzung mit Booty Bass weiter. Der Sexbessenheit dieser Musik gibt er eine abseitige Richtung: Wo im Booty Bass eines DJ Assault oder DJ Funk Frauen als Objekt des männlichen Hetereo-Begehrens besungen und beschwört werden, erfindet von Schirach einen ganzen Kosmos der Perversionen. Diese gequeerte Form des Booty-Sounds führt der in Miami aufgewachsene, kubanisch-deutsche Musiker auch in Performances auf. Mit den mal brutalen, mal bizarren, mal lustigen Stücken reißt von Schirach den amerikanischen Mittelstands-Teenager aus seiner Traumwelt zwischen kulturindustrieller Popmusik und bürgerliche Körperpolitik heraus.

LABEL: Cock Rock Disco

VERTRIEB: Cargo Records

VÖ: 04.07.2008

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