Oren Ambarchi

Als Musiker seinen eigenen Sound zu finden, ist eine sehr schwierige, wie auch äußerst rare Angelegenheit. Oren Ambarchi kann sich diesbezüglich glücklich schätzen. Der Klang seiner elektrischen Gitarre ist einzigartig, die musikalische Gestaltung und Ausführung seiner Kompositionen sucht ihresgleichen. In konzentrierter Manier meißelt der australische Musiker, dessen Instrument nur noch in seiner materiellen Beschaffenheit einer Gitarre gleicht, unter klanglichen Aspekten aber die Grenzbereiche zwischen Computermusik und analoger Elektronik erkundet, subharmonische Klangskulpturen aus tieftönigen, glasklaren Flagoles. Diese Töne werden zu Loops zusammengefasst, die aufgrund ihrer zeitlichen Länge nicht mehr als solche erscheinen. Hinzu kommen – im Gegensatz zu seinen früheren Werken, die nur den Fokus auf die Gitarre legten – weitere Instrumente: Ein Jazz-Schlagzeug, eine akustische Gitarre und schließlich diverse Resonanzobjekte, die auch in seinen Kollaborationen mit dem australischen Turntablisten Martin Ng verwendet wurden. Das Prinzip ist einfach, das Resultat schlichtweg umwerfend.

    Soweit so gut. Dennoch muss sich Ambarchi mit seiner neuesten Arbeit »In The Pendulum’s Embrace« die Frage gefallen lassen, ob er denn nicht Gefahr laufen würde sich zu wiederholen. Spätestens seit dem sagenhaften Vorgänger »The Grapes Of The Estate« war klar, dass der Nachfolger sich nicht mehr auf das Altbewährte verlassen dürfe. Dies ist nun leider zum Teil geschehen. Nach wie vor bilden Ambarchis ätherische Loopkonstruktionen die Basis für seine Kompositionen. Eine Änderung muss also erneut über die Integration von weiteren Instrumenten herbeigeführt werden. Während bereits »Grapes Of The Estate« dieser Maxime Folge leistete und zum Beispiel auf den rhythmischen Puls eines jazzigen Schlagzeugs zurückgriff, vollzieht sich der Wandel auf »In The Pendulum’s Embrace« über die Verwendung von Streichern. Ein genialer Schachzug von Ambarchi, der allerdings viel zu kurz ausgespielt wird und lediglich in dem Stück »Inamorata« zum Zuge kommt.

    Hier verwebt er seine subharmonischen Tonmeditationen, die ihm auch Eingang in die Welt von Sunn O))) und diversen Nebenprojekten gewährt haben, mit mehrmals übereinander geschichteten Streichermelodien. Die zwei weiteren Kompositionen »Fever, A Warm Poison« und »Trailing Moss In The Mystic Glow« bewegen sich erneut auf vertrautem, qualitativ hochwertigen Terrain. Dennoch ist es ernüchternd mit anzusehen, dass ein Musiker mit einem derartigen kreativen Potenzial stets innerhalb identischer musikalischer Schattierungen operiert. Seinen eigenen Sound gefunden zu haben bedeutet schließlich nicht zu stagnieren und immer wieder mit der gleichen Form zu experimentieren. Ambarchi wird nur mit einer größeren Risikobereitschaft neuen klanglichen Gehalt in seine Stücke implementieren können. Bis dahin werden auch zukünftige Veröffentlichungen entzücken können, aufregend werden sie aber gewiss nicht sein.

LABEL: Touch

VERTRIEB: Cargo Records

VÖ: 05.10.2007

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