Onur Özer

Kaschmir wäre mir keineswegs in den Sinn gekommen. Onur Özer programmiert eher Matrizen; ungemein bewegliche Rasternetze zwar, doch in ihrem Layout immer von enormer Forschungsfunktionalität geprägt. Dem Produzenten aus Istanbul gelingt es, diesen Laboren aus Schall und ihrem Zucken und Zicken ganz unterschiedliche Erzählpassagen aufzupfropfen. Wobei der Begriff aus der Botanik hier keine Wertung bedeutet. Nein, die Saiten- und Blasinstrumente aus der türkischen Tavernen-Musik, die Doom-Synthesizer und gepitchten Menschenstimmen ragen heraus aus der Klöppelmaschinerie und ölen das  Rhythmus-Gewerke. Das ist Minimal für Zuhause, der in einem dieser Metropolenclubs dann doch derbe zupackt, und morgen früh auf der Lichtung sowieso.

    Onur Özer hatte einen Traum, seit ihm Anfang der Neunziger Jahre im Antalya-Urlaub ein paar Touris aus Deutschland eine Kassette mit Rave-Musik schenkten. So steht es in der Spex #310, in der Özer von seinem Zuhause Istanbul erzählt: Von da an war seine Neugier für Techno geweckt, und bald wurde die Musik seine Leidenschaft. Zu dieser Zeit gab es in der Hauptstadt der Türkei dort weder Clubs, noch Plattenläden, noch spezialisierte Medien für diesen Sound. Özer wandte sich direkt an die Labels, wenn er Fragen zu Veröffentlichungen hatte. Sein Zugang war also sehr straight und fokussiert; wenn auch nur aus der Not heraus. Kein Wunder, dass so über die Jahre der sehr distinkte Özer-Sound entstehen konnnte. Nachdem er 1995 mit dem Auflegen begonnen hatte, wuchs er zwischen 1999 und 2004 in seiner Zeit als Resident-DJ im Istanbuler Filter zum international gefragten DiscJockey heran. Zwischenzeitlich gab er den Wighnomy Brothers bei ihrem DJ-Gig im Filter ein Demo mit nach Hause. So kam es, dass 2005 seine erste EP »Freakdisco« auf deren Label Freude am Tanzen erschien und er nach drei weiteren Veröffentlichungen auf dem gut mit dem Jenaer Label befreundeten Vakant die Mix-CD »Momentum« mixte, gemeinsam mit Mathias Kaden.

    Ein Jahr später, und »Kaşmir« bereitet den großen Moment. Auf »Traumbone« zerstäubt eine Trompete in einen bunten Pollen-Regen, »Astronomy« geht Science Fiction, wo die Kollegen vom Zeitgeist pur auf Cosmo machen. Und sieben Minuten machen noch lange keinen Track: »Kaşmir« besteht aus Epen. Ihre Stoffe wiederum aus allem zwischen Wüste und Wüstenplanet. Soft Skill Techno.

LABEL: Vakant

VERTRIEB: RTD

VÖ: 22.10.2007

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here