Oneohtrix Point Never „Age Of“ / Review

Ganz richtig, Pop. Wobei das bei Oneohtrix Point Never immer noch etwas anderes bedeutet als bei, nun ja, Taylor Swift.

Wenn ein Musiker es schafft, Weggeworfenes, sprich Müll, in Kunst zu verwandeln, ist das kein geringer Verdienst. Daniel Lopatin alias Oneohtrix Point Never hat es auf diesem Gebiet zu einer gewissen Meisterschaft gebracht. So bekam alte Werbemusik aus den Achtzigern bei ihm auf Replica von 2011 ein unerwartetes neues Eigenleben. Jetzt wagt sich der für seine konzeptuelle elektronische Grundlagenforschung geschätzte Sample-Virtuose mit Age Of an Pop.

Ganz richtig, Pop. Wobei das bei Lopatin immer noch etwas anderes bedeutet als bei, nun ja, Taylor Swift. Zugleich versucht sich der 35-Jährige auf seinem achten Album an einer Art Zeitdiagnose. Der Titel Age Of fordert durch Auslassung zur Ergänzung auf, deutet andererseits jedoch an, dass es darauf womöglich nicht wirklich ankommt. Dass man die Gegenwart auf einen Begriff bringt, sie als bestimmtes Zeitalter etikettiert, ist zwar Ausdruck von Reflektiertheit. Ob man die eigene Zeit dadurch besser in den Griff bekommt, ist eine andere Frage.

Wo permanenter Wandel zum Dogma der Zeit gehört, wandelt die Musik von Oneohtrix Point Never zuverlässig immer wieder ihre Gestalt.

Lopatins Pop ist dementsprechend weniger eine Feier des Hier und Jetzt als ein kaputter Abschiedsgesang, wobei „Gesang“ hier wörtlich zu verstehen ist: Lopatin singt, wenngleich bearbeitet vom Computer, und seine Mitstreiterinnen heißen dabei mitunter Anohni oder Eli Keszler. Letzterer hat sich als Avantgarde-Trommler und -Komponist einen Namen gemacht. Und richtig, die Resultate klingen so abenteuerlich, wie ein solches Team erwarten lässt.

Digitale Fundstücke beherrschen den Klang dieses Opus, Klavier- und Cembaloartiges ertönt neben digitalen Chören, Elemente, die Lopatin in der Vergangenheit schon erfolgreich in ungewohnte Zusammenhänge eingearbeitet hat. Diesmal ist es eine fremdartig erscheinende Vertrautheit, in der keine Stimmung allzu lange vorhält. Wo permanenter Wandel zum Dogma der Zeit gehört, wandelt die Musik von Oneohtrix Point Never zuverlässig immer wieder ihre Gestalt. Trotzdem wirkt alles auf wunderbare Weise verbunden.

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