Om

Bereits auf den Alben »Variations On A Theme« (2005) und »Conference Of The Birds« (2006) stand die instrumentale Dreifaltigkeit aus Schlagzeug, Bass und Stimme im Vordergrund von Oms künstlerischem Schaffen. Der Einsatz dieser Utensilien erfolgte mit einer akribischen Musikalität, die ebenso zwischen drei weiteren stilistischen Koordinaten anzusiedeln war: Bassist Al Cisnero sang mysteriöse Beschwörungen, sein Spiel changierte zwischen reinen und verzerrten, repetitiven Riffs und Schlagzeuger Chris Hakius siedelte seine rhythmischen Begleitungen zwischen tribalistischen Meditationen und explosiven Taktkalkulationen an. Da diese Art von gestalterischer Arbeitsweise von einer geringen Halbwertszeit gekennzeichnet ist und ihre Limitationen mit sich führt, muss der Schlüssel zum Erfolg in einer virtuosen Variation dieser drei Stilmittel liegen.

    »Pilgrimage«, das neueste Werk dieser fälschlicherweise im Rahmen des Doom Metals rezipierten Band – ihr Sound besitzt zwar die nötige schwermetallische Tiefe und ist auch auf Southern Lord, dem Flagschiff subharmonischer Kriegsführung erschienen, zeichnet sich aber vielmehr durch eine ausgeprägte Vorliebe für psychedelische Rockepen aus – greift die Idee der Variation im wahrsten Sinne des Wortes auf, wobei es sich allerdings um sehr fragile, minimale Abänderungen handelt. Während der Opener »Pilgrimage« vollkommen auf Verzerrung verzichtet  und damit diametral zu älteren Stücken von Om steht, die vorwiegend durch energetische Schlagzeug-Bass Amalgame auffielen, findet im Track »Bhima’s Theme« der stärkste Bruch statt: Das Schlagzeug pausiert und lässt nur Gesang und Bass miteinander interagieren, bis die Musik wieder in gewohnt alter Manier zum Abschluss des Stückes in einem Lavastrom aus geschmolzener Heavyness erstarkt.

    Die pedantische Neubestimmung und fließende Veränderung von dynamischen Verknüpfungen, klanglichen Texturen und metrischen Verflechtungen lässt Om in Anbetracht ihrer zwei vorhergehenden Alben – beide waren sehr gut, unterscheiden sich aber nicht maßgeblich voneinander – der Gefahr zuvorkommen, erneut eine identische Platte aufzunehmen. Herausragend an dieser musikalischen Präventionsarbeit ist die Gestaltung des Bassspiels. Cisnero arbeitet mit melodischen Motiven, deren Grundstruktur im Kern erhalten bleibt, allerdings einer permanenten Veränderung unterliegt. Einzelne Töne werden unterschiedlich betont, Melodien erweitert, spontan wieder verkürzt oder mit neuen Bausteinen versehen. Dieses Prinzip erinnert an die Pattern-Schemata der Minimal Music und erklärt auch, warum Om nicht ausschließlich von einem reinen Metal-Publikum wahrgenommen werden. Ferner entsteht durch dieses außergewöhnliche, nahezu improvisatorisch anmutende Spiel eine psychedelische Sogwirkung. Eine konzentrierte Verfolgung einzelner Tonabläufe ist unmöglich, die Gedanken schweifen wie in einer Trance gefangen augenblicklich ab und sobald man wieder in das musikalische Geschehen zurückfindet, hat sich auch die klangliche Gestalt verändert.

    Mit »Pilgrimage« erfinden sich Om keineswegs neu. Allerdings unterziehen sie ihren Sound, der diesmal von Steve Albini gemeißelt wurde, mit einer Neuanordnung der üblichen Ingredienzien einer kreativen Revision. Auf ihrem vierten Album sollte ihnen dagegen hoffentlich mehr einfallen, so dass man nicht mehr von einer Variation on a Theme sprechen muss.

LABEL: Southern Lord

VERTRIEB: Soulfood

VÖ: 26.10.2007

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