Ólafur Arnalds Eulogy For Evolution

Musik, die aus Island stammt, wird meistens mit der imposanten Flora und Fauna jenes Inselstaates verbunden. Der isländische Musiker Jóhann Jóhannsson brachte einmal in einem Interview seine Verärgerung über diese Tatsache zum Ausdruck, indem er behauptete, dass vielen Leuten schlicht und einfach die Fantasie fehle, die richtigen Worte für Musik zu finden und gerade deswegen auf solche billigen Klischees zurückgegriffen werde. Recht hat er, denn epische Streicherarrangements und verhallte Gitarrenmelodien suggerieren nicht zwangsläufig eine Wald und Wiesen-Romantik.

    Ólafur Arnalds würde gewiss Jóhannssons These zustimmen, teilt er doch bereits mit dem glatzköpfigen Melancholiker eine ähnliche musikalische Programmatik. Auf insgesamt 40 Minuten verteilt er acht unbetitelte Kompositionen, die vorwiegend kammermusikalischer Natur sind, also von einem Streichquartett bestimmt werden und deren solistischer Kontrapunkt ein Piano darstellt, das vorwiegend auf Akkordbegleitung verzichtet und meistens einsame melodiöse Verläufe in die meditativen Streicherarrangements integriert. Die Dramaturgie von »Eulogy For Evolution« unterliegt einer geschickten Planung. Bösartig gesprochen könnte man die ersten sechs Kompositionen als eine Art von endlosem Intro bezeichnen, das endlich gegen Ende der Platte in einem satten Stilbruch aufgelöst wird.

    Allerdings würde diese Betrachtung Arnalds’ kompositorischen Mühen nicht gerecht werden, obwohl die Klavierarbeit stellenweise sehr dünn und verloren klingt. Eine Wiedergutmachung gibt es durch die schwelgerischen Streicherarrangements, die von einer ausdrucksstarken atmosphärischen Dichte geprägt sind und den Hörer augenblicklich in ihren Bann ziehen können. Stück Nr. 5 stellt dies besonders eindrucksvoll zum Ausdruck, während im fulminanten Ende der Platte Arnalds zweite musikalische Heimat hörbar wird: Als Hardcore Aficionado beschließt er die letzte Komposition in einem tosenden Crescendo aus galoppierenden Schlagzeugkaskaden und schreienden E-Gitarren, bevor der sakrale Klang einer Orgel ertönt, um die Dinge endgültig zu beenden. Ein schönes Ende für eine gelungene Platte.

LABEL: Progression Records

VERTRIEB: Soulfood

VÖ: 12.10.2007

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