Okmalumkoolkat Holy Oxygen I

Wer ist der Chef-Styler in Johannesburg? Auf seiner Debüt-EP Holy Oxygen gibt der Rapper Okmalumkoolkat mit breiter Gummizunge eine angenehm unprätentiöse Antwort.

Vor der FIFA WM 2010 in Südafrika machten sich zahlreiche westliche Publikationen auf die Suche nach den vielversprechendsten Musiktalenten des Landes. Eine Form der Aufmerksamkeit, die den Brasilianern in diesem Jahr weitestgehend verwehrt blieb, wohl auch, weil sich erfreulicherweise die Vorberichterstattung stärker auf die politischen Rahmenbedingungen des Mega-Events konzentrierte. Eine der Entdeckungen war damals jedenfalls der Rapper Spoek Mathambo aus Johannesburg-Soweto. Vor zwei Jahren tauchte er dann auf Sebenza, einem Album der britischen Hyperdub-Produzenten LV, auf – und ließ sich dort die Show von einem neuen Gesicht der Jo’burger Szene stehlen: Smiso Zwane alias Okmalumkoolkat. Der wiederum lernte vor einiger Zeit die beiden österreichischen Produzenten Cid Rim und The Clonious kennen, als diese durch Südafrika tourten. Das Ergebnis dieser Bekanntschaft liegt nun in Form von Okmalumkoolkats erster EP vor, Holy Oxygen I.

In den vier Stücken erzählt Styler-Katze Zwane, der ursprünglich aus dem biederen Durban stammt, mit breiter Gummizunge von göttlichen Erleuchtungen, nachhaltigen Flirtversuchen und davon, wie ihn eine Kindheit ohne Vater zur Musik brachte. Angenehm unprätentiös und doch selbstbewusst kommt das daher. Der Rapper verschränkt Zulu, Englisch und Afrikaans zu einem Flow. Kanye West wird referenziert, Harry Potter, der mächtige Zulu-König Shaka, aber auch Kevin Costner, Jon Bon Jovi und Zurück in die Zukunft. Eine Oldschool-Geschichte ist die EP jedoch keineswegs geworden. Mit dem Instrumental von »Fancy Footwork« liefern Cid Rim und The Clonious sogar eine klare Jetztzeit-Hommage an Chicago.

Bleibt die auf den ersten Blick vielleicht etwas einfältige Frage, ob die Europäer hier irgendetwas besser machen als ihre südafrikanischen Kollegen. Die Antwort lautet nein, zu Gunsten beider Seiten. Wer Okmalumkoolkats ausgezeichnete Features auf den Songs seiner lokalen Kumpels hört, JRs »Bob Mabena« oder »Amantombazane« von Riky Rick etwa, stellt schnell fest, dass Jo’burg, Wien, London, Chicago musikalisch ebenbürtige Nachbarn sind.

Hiermit sei ausdrücklich empfohlen, sich anhand der YouTube-Seitenleiste von den genannten Songs aus durch die florierende Szene zu klicken. Über kurz oder lang wird man dabei auch auf »Papap! Papap!« stoßen, eine unverwüstliche grimey Freitagshymne, aufgenommen von Dirty Paraffin, einem Duo, das Okmalumkoolkat zusammen mit seinem Buddy Dokta Spizee bildet. Und auch der Tumblr von Kats Crew Bo¥zn Buck$ lohnt einen Besuch.

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