Okmalumkoolkat – Antiverzweiflungsmantras

Foto: Simone Scardovelli

Der südafrikanische Rapper Smiso Zwane verbreitet gute Laune. In Dauerkrisenzeiten ist es sein Sound der Zuversichtlichkeit, der den Blick in die Zukunft zum Blick nach vorn macht – das komplette Feature aus SPEX No. 372.

Das Morgen ist in. Ist doch die Vergangenheit nur eine Aneinanderreihung von Fehlern und Enttäuschungen, während uns die Gegenwart in Dauerkrisen gefangen hält. Da kommt ein Rapper aus Südafrika, der sagt, er sei „der Typ aus der Zukunft“, genau zur richtigen Zeit. Smiso Zwanes Musik klingt wirklich, als sei sie einen Schritt weiter: Neben südafrikanischen Hip-Hop-Ablegern wie Mino Mino, Macandi oder Durban Style vereint sie Elemente aus der zeitgenössischen britischen Bassmusic und afrikanischen Clubmusikstilen vom noch jungen Gqom bis zu Kwaito House, der heruntergepitchten Variante der euroamerikanischen Schwester.

Foto: Simone Scardovelli
Foto: Simone Scardovelli

Ob solo als Okmalumkoolkat oder im Duo mit Dirty Paraffin, Zwanes Musik wird von seinem eigenwilligen Rap-Stil zusammengehalten, eine Art Sprechgesang, der sehr lässig zwischen Realismus und Dadaismus pendelt. Dabei wechselt er innerhalb der Tracks fließend die Sprachen vom Englischen in Afrikaans, von Xhosa in Zulu, das 23 Prozent der Bevölkerung Südafrikas sprechen – ein Land, in dem elf offizielle Sprachen existieren.

Die gute Laune der Musik steht dem positiven Gemüt ihres Erschaffers in nichts nach – und ist auch beim Interview in Hamburg ein schöner Kontrapunkt zur monochromen Farbkomposition der Hotellobby. In wenigen Stunden spielt Zwane ein Konzert in Hamburg und ist gut aufgelegt: „Ich liebe die Architektur hier, alles ist so wohlgeordnet“, sagt er und grinst schelmisch.

„Ich will die Leute von falschen Vorstellungen heilen.“

Smiso Zwane ist in einem Township in Durban aufgewachsen – eine Erfahrung, die ihn bis heute prägt. Wie die meisten Kids konnte er schon früh problemlos den Klang einer AK-47 von anderen Gewehren unterscheiden. Der Übergang von der Apartheid zur heutigen Republik fiel in Zwanes Schulzeit. In diesem Alter entstanden bereits erste Raps, die Zwane aus Schüchternheit für sich behielt. Wirklich zur Musik kam er während seines Designstudiums am renommierten Vega-College in Durban. „Dort mussten wir oft in Gruppen arbeiten“, erinnert sich der vormalige Eigenbrötler. „Das hat mir die Angst genommen, mit anderen zu kooperieren.“

Nachdem der Knoten geplatzt war, ging alles sehr schnell. In Johannesburg trifft Zwane den einflussreichen Rapper Spoek Mothambo. „Zwei Tage später kam er mit seinem Laptop vorbei und wir nahmen ein paar Ideen auf“, rekapituliert er. 2010 bringt Zwane mit dem Londoner Trio LV die EP Boomslang und zwei Jahre später das Album Sebenza auf Hyperdub heraus. Die genialen wie verrückten Hybride aus entschlacktem Kwaito und britischer Subbass-Science bringen internationale Aufmerksamkeit, gefolgt von Gigs auf dem Catwalk der Clubkultur (Boiler Room) und weiteren EPs auf dem Wiener Label Affine Records.

Dort erscheint demnächst die neue 12-Inch der Reihe Holy Oxygen, mit welcher der Futurist schon wieder eine neue Richtung einschlägt. Es geht um Isintu, die traditionelle Lehre südafrikanischer Stämme für ein Leben im Einklang mit Umwelt und Mitmenschen. Zwane möchte sie weitergeben, um „die Leute von falschen Vorstellungen zu heilen“. Ein guter Vorsatz – so global gesehen. Die Zukunft kann kommen.

Dieser Text ist wie viele weitere Interviews und Features in der Printausgabe SPEX No. 372 erschienen. Das Heft kann versandkostenfrei im Onlineshop bestellt werden.

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